Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Halachakritik
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 518 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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518 Zur Halachalritik. . fände Statt, um di« Frage überhaupt aufzuwerfen, da doch nichts Dringendes vorliegt, welches eine Untersuchung fordert? Man müßte nur annehmen, daß das eben die Mischna besagt. Weil kein zwingender Grund vorhanden ist, darum wird die Untersuchrmg unterlassen (vgl. Naschi zu Pesachün 92 b); aber dergleichen selbstverständliche Behauptungen anfzustellen ist nicht Art der Mischna. Auch eine andere Erklärung dieses Satzes von R. Isaak ben Samuel (vgl. Tosafot Erubin 29) ist nicht recht einleuchtend. Der dritte Passus endlich die Controverse bezüglich des Nasiräers ist ganz und gar unverständlich. Welche Nöthigung für die Untersuchung ist hier vorhanden, und warum gestattet sie die Schule Schammai's und verbietet sie die Schule Hillels? Die Commentatoren haben wohl die Schwierigkeit gefühlt, denn sie fügen als Erklärung ganz unerwartet hinzu ,שהלך ״wenn er schon den Weg eingeschlagen hat", also es war die Frage, ob, falls ein Nasiräer zufällig diesen Weg ohne Wissen genommen, er dann. durch Untersuchung rein oder unrein erklärt werden solle. Aber viel ist damit nicht gewonnen, abgesehen davon, daß die drei Fälle der Mischna gleichartig sein müssen. Denn die Comm. geben uns keinen Aufschluß darüber, warum die Schule Schammai's eine solche hinterherige Untersuchung für nöthig erachtet. Freilich scheint aus dem Zusatz der Mischna כיצר בורקין mit dem Schlußwort טמא hervorzugehen, daß eine Untersuchung post gemeint sei, da bei einer solchen ante man nicht zu entscheiden hat, ob טהור oder טמא, es sich vielmehr darum handelt, den Weg als rein zu erklären durch Hinwegschaffung der unreinen Gegenstände. Die Erklärer müssen consequent das טמא auch aus den ersten Fall beziehen und auch hier eine hinterherige Untersuchung zur Entscheidung, ob der Mann reue oder unrein sei, für statthaft halten. Bei allen Bedenken, die uns gegen diese Erklärung ausgestoßen, wie nämlich durch eine nachmalige Untersuchung die Frage überhaupt entschieden werden kann, ob Jemand ein Knöchelchen während des Gehens berührt, da es ja mittlerweile fortgeweht sein kann, müßten wir dennoch an derselben festhalten, stände es fest, daß der Text der Mischna unverdorben ist. Der Glaube an die Richtigkeit des Textes wird aber erschüttert, wenn wir in der Mischna selbst und anderen talmudischen Stellen offeneu Widersprüchen mit der gegebenen Erklärung begegnen. Wir