Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 401 (sequence 7)
- Language
- German
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Salorium Ludwig Steinheim. 401 Weit entfernt, unser Gemüth zu glätten, unsere Seele zu beruhigen, wie die Kunst es soll, sind diese vulkanischen Naturen geeignet selbst spieqelklare Seelen anzuhauchen mit dem Schauni wogender Leidenschaft» selbst ruhige Gemüther aufzuregen zu tosender Brandung; überall schimmert das Herzblut durch, mit dem sie ihre Worte schreiben und erweckt gleichen Zorn, gleiches Weh und gleiches Hochgefühl, wie der es empfunden, der sein Herzblut daran gegeben hat. Das Kleid, daß diese Gedichtsammlung Steinheims trägt, ist ein seltsames, nach der Mode der Zeit geschnitten, welche die Mpstifikation liebte. Obadjah b. Amos, der am Hofe des Königs Philadelphus, der die Bibel übersetzen ließ und den Israeliten wohl wollte, lebt, theilt seinem Sohne Visionen über die Zukunft seines Volkes mit. Die Veranlassung zur ersten Ausgabe—denn die Gedichte sind zweimal erschienen und trotzdem verschollen — war die, durch den Geldertrag derselben die Fonds einer Gesellschaft zu mehren, welche sich in Schleswig-Holstein und besonders in Altona zur Hebung des Handwerkes unter den Juden gebildet hatte. Der König von Dänemark hatte den Juden das Erlernen zünftiger Handwerke gestattet; voll froher Zuversicht bildete sich ein Verein, um die jüdischen Jünglinge dem demoralisirenden Hausirhandel zu entreißen, — da erklären die Stünde, daß sie zwar gegen das Erlernen von Handwerken nichts einzuwenden hätten, aber sein Handwerk ausüben, daß diirfe Sein Jude in Altona. Unter solchen Foltern wuchs die uns vorangegangene im Ganzen so tüchtige Generation heran. Steinheim giebt dem Schmerz über diese Marter oft einen bewältigenden Ausdruck. So wenn er in dem Gedicht ״der Vertriebene" den Schmerz eines Mannes schildert, dem sein Sohn in den Freiheitskriegen gefallen war; die Tochter war ihm, in dieser Zeit, wo der Abfall allgemein war, zu fremdem Glauben und zu fremder Ehe entführt worden; sein Weib war dem Weh darüber unterlegen, und er selbst arni, — er hat der Frau kein Denkmal an ihrem Grabe setzen können — matt und hilflos war er dann von einem hochweisen Rath aus der Stadt gewiesen worden. Er hatte wol die schwere Steuer nicht zahlen können: Frankel, Monatsschrift, xxi. 9. 25