Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 402 (sequence 8)
- Language
- German
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402 Salomon Ludwig Steinheim. Mein Sohn war erschlagen Vom Feindesschwert; Im ungeweihten Erdreich Ruhen seine Gebeine. Meine Tochter riß der Todfeind Mir vom Herzen an seines. Sie begleitet ihn zum Abgott Und in's Brautbett. Mein Weib starb vor Kummer Wegen des Sohnes, wegen der Tochter; Neben den Vätern liegt sie begraben. Doch kein Denkmal nennt ihren Namen. Heute hat sich der Rath versammelt Auf dem Söller des Rechtes, Der hat mich sortgebannet Vom Heerd und von den Gräbern. Weh' mir, noch hält dieses Thor mich; In meinen Thränen säum' ich; Denn mein Herz ist voll Sehnsucht Nach dem abtrünnigen Kinde. O, meiner Väter Gott! Hier steh' ich. Begleitet vom Hohne der Buben, Mein Gebein von Jahren schwach Heimathlos und dürftig. Tragt mich, morsche Knie, zum Schlachtfeld Nach des Knaben Ruhestätte, Dort zu beten das Todtengebet Und zu sterben neben den Meinen! Wann naht der Tag der Erlösung? Wann sendest Du Deinen Gequälten, Vater, den neuen Tag von Zion Oder die Nacht in der Gruft der Väter? Kaum kann es eine schwerere Anklage geben gegen das damalige Deutschland als diese Ironie des Jammers, diese kunstlose Darstellung, wie Deutschland den Vätern Derer lohnte, die für dasselbe ihr Blut gelassen hatten. Wie Donner rollt dann sein Ingrimm über die, die Liebe im Munde und den Haß im Herzen