Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 399 (sequence 5)
- Language
- German
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Salomon Ludwig Stemheim. SS9 daß Steinheim's Liebe zum Glauben seiner Väter in späteren Jahren erkaltet ist, daß er dem Christenthum sich zugewandt habe. Noch in! vierten Baud seiner ״Glaubenslehre der Synagoge", den er kurz vor seinem Tode veröffentlichte, führte er die wuchtigsten Schläge gegen Luther, gegen Kalvin, gegen den Kalholicismus, gegen das Chcistenthum überhaupt, so daß ein solcher Gedanke, der die drei letzten Lebensmoude mit fast sieben und siebzig voraugegangenen Jahren in Widerspruch brächte, gar nicht aufkommen kann. Und dennoch wurde er, als er am 19. Mai 1866 in Zürich starb, nicht bei seinen Brüdern bestattet; dennoch liegt sein Leib auf fremder Stätte unter den! Zeichen des Glaubens, den er bis zu seinem letzten Lebensjahre bekämpft hat. Wie sehr er auch seinen Glaubensgenossen grollte, weil sie ihn unbeachtet ließen, es ist undenkbar, daß dieser Apostel der jüdischen Freiheitslehre bei nüchternem Sinne den Wunsch geäußert hat, mit den Jüngern Kalvins, seines geistigen Antipoden, im Tode vereint zu sein. Indes; dein Wunsch der Gattin mußte Folge gegeben werden, und so liegt er in Zürich auf dem reformirten Kirchhof. Sein Tod fiel in die gewitterschwüle Zeit vor dem Ausbruche des deutschen .Krieges, und so starb er unbeklagt, wie er fast ungekannt gelebt hat. In ruhigen Tagen weckt der Tod eines Mannes, den man bei seinen Lebzeiten vernachlässigt hat, das Gewissen der Zeitgenossen; sie kümmern sich eine Weile um ihn, ob er nicht vielleicht größerer Beachtung werth gewesen sei. Auch diese Sühue versagte ihm das Schicksal. Vielleicht hat es ihm die größere Vorbehalten, nach dem Tode die dauernde Anerkennung seines Stammes zu gewinnen. Von seinen Schriften nun sind die Gedichte am frühesten an die Oeffentlichkeit getreten und neben einem Epos Sinai sind es besonders die ״Gesänge aus der Verbannung, welche saug Obadjah be!l Amos im Lande Ham," welche ihm einen Ehrenplatz unter den jüdischen Dichtern errungen hätten, wenn sie nicht auch vo!n Schicksal aller Steinheim'schen Schriften wären ereilt worden — klanglos in den Orkus der Vergessenheit hinabzusinken, ohne Prüfung beseitigt zu werden. Steinheiin war weder in gebundener noch in ungebundener Rede ein Künstler; ihm war die Sprache nicht der Stoff, über