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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 9 · p. Seite 398

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 9
Article
Salomon Ludwig Steinheim
Date
1872-01-01
Page
Seite 398 (sequence 4)
Language
German
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398 Salonton Ludwig Steiuheim. von Ascalon zu erkennen. Das sagte ich der säubern Mutter geradezu, und sie verläugnete die offenbare Sache keineswegs. Da ich aber bemerkte, wie sie es denn möglich gemacht habe, auf dem Harnburger Berge ihr^Bordel einzurichten, da ja keine Juden daselbst wohnen dürfen, antwortete sie: ״Ich habe mich wirklich vorher taufen lassen müssen." Airs diesem Wege unterstützte der hohe Math in Hamburg die Judenmissionen der christlichen Kirche. Nachdem Steiuheim fünf und dreißig Jahre — diese Zahl giebt er selbst an — als praktischer Arzt segensreich gewirkt hatte, zwang ihn seine Kränklichkeit, die Praxis niederzulegen. Ende der vierziger Jahre zog er aus Deutschland und lebte von da bis zum Jahre 1866, seinem Todesjahr, in Rom und Sorrento. Die letzten Bünde seiner Offenbarungslehre füib sämmtlich von Rom datirt. Rom hat ihm nicht, >vie so »rancheur Deutschen, den Sinn umnebelt; zu immer schärferer Gegnerschaft gegen das Christenthum wie gegeir jede Mythologie überhaupt spitzt sich dort seine Lehre zu und ohne Scheu hat er auch in der Kapitale des Papstthums seinen Glauben bekannt. Ein Beispiel dieses Muthes, welches auch seinen Witz und seine Schlagfertigkeit bekundet, möge hier seine Stelle finden. lieber der Thür, der Kirche welche sich in der Nähe des rönrischen Ghetto befindet, sind folgende Verse aus denr fünf und sechzigsten Capitel des Jesajah verzeichnet: Ich habe meine Hand ausgebreitet alle Tage über ein widerspenstiges Volk, die den schlimmen Weg ge- Heu ihren Gedanken nach, die mich ständig i n ' s A n g e s i ch t ärger n." Als nun Steinheim diese Inschrift las, trat ein katholischer Geistlicher, indem er richtig vermuthete, daß der Lesende ein Jude sei, zu ihm heran, und fragte ihn, was er von diesen Versen halte? Ich denke, um׳ die Antwort, daß sie sich nicht auf uns Juden beziehen können. Und warunr nicht? Erinnern Sie sich nur Ehrwürden, antwortete der Gefragte, der folgenden Zeilen, in welchen die Gemeinten genau bezeichnet werden: ״״die in Gärten opfern, auf Ziegelsteinen räuchern, in Gräbern sitzen und in Felsenlöchern übernachten, die Schweinefleisch essen, und die unreine Brühen in den Töpfen haben."" Sehen Sie, Ehrwürden, das thun nicht wir, ״der Prophet muß also wol Andere gemeint haben." Da wandte sich der Priester und ging. Nein, es ist nicht wahr.

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