Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 397 (sequence 3)
- Language
- German
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Salomon Ludwig Steinheim. 397 Seit deur Anfänge der dreißiger Jahre betheiligte er sich lebhafter au jüdischen Angelegenheiteil, während er früher, wie es scheint, nur seinem ärztlichen Berufe gelebt hat. Doch muß sich schon in diesen frühem Jahren die Weltanschanimg gebildet haben, die er in feilten grüßern Werken später dargestellt hat; denn Gedichte, die er im Jahre 182!) veröffentlichte, enthalten schon ganz itt poetischer Form den Schatz an originellen Gedanken, die er nachher in philosophischer Begründung vorgeführt hat. Auch für die jüdische Gemeinde in Altona, besonders für die Hebung der Schule war er thütig; fobaiut begann er eine freilieh für den Moment fruchtlose Agitation für die staatliche Gleichstellung in Schleswig-Holstein; hierin innig verbunden mit seinem Freunde Gabriel Nießer, dem er die zweite Ausgabe seines Gedichtes gewidmet hat. Ihn, den feinfühligen für das Edle und Rechte glühenden Alaun, schnterzte unsäglich die Pariastellung seiner Glaubensgettossen, die, wie bekannt, nirgends eine so unwürdige war als in Hantbnrg und Holstein. Er faßte Pläne, die Attswandernng der deutschen Juden nach Anterikazn bewerkstelligen, und es ist rührend, wie Rießer (vergl. dessen Biographie 90u Dp. Jsler) die Veczweifelnden tröstet und im Gegentheil das AnSharren als das einzig Heilsame preist, weil der deutsche Jude auch die Pflicht habe , sein Vaterland zur Freiheit, zur Anerkeitnung des Rechts zu erziehen. Da diese Dinge so über die Maßen traurig für unsere Glaubensgenossen waren und so über die Maßen schändend für Deutschland sind, so ntag hier eine im gewissen Sinne heitere Anekdote Platz finden, die Steinheim oft erzählt und in welcher das verwerfliche Princip seine Komik gegen die Unterdrücker kehrt. Eine Vorstadt Hamburgs nämlich, der Hambnrgerberg genannt, war dazumal dadurch ausgezeichnet, daß Juden dort nicht wohnen durftetl und ferner dadurch, daß sie der Aufeitthaltsort der losen Dirnen, dieser an Priesterinnen der Vsnus vulgivaga überreichen Handelsstadt war. ״Eines Morgens nun", so erzählt Steinheim, ״kam ein altes Weib von jüdischem Aussehen mit ihrer Tochter zu mir, mich als Arzt über eine Krankheit der Tochter zu Rath zu ziehen. Der Anzug und der ganze Habitus der beiden Weibspersoneil gab sie llnverkennbar als Dienerinnen jener Urania