Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 396 (sequence 2)
- Language
- German
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386 Salomon Ludwig Steinheim. sprnng in einem Zwiste, welcher zwei feiner nahen Anvermandten trernlte. Diese hatten lange in Friedeil znsnmmengelebt, als sie ans die Idee kamen, einen Klansrabbiner sich aus Polen zu verschreiben. Dieser kam nub mit ihm die Zwietracht. Das erzeugte schon in dein Knaben eine Verbitterung gegen dieses Element der jüdischen Bevölkerung in Deutschland, und die Erfahrungen des reifern Lebens haben diese nicht gemildert, sondern vermehrt. Und das ist zuzugeben, die polnischen Inden waren i>l den letzteil Jahrhunderten der Sauerteig des deutschen Judenthuins, wohlthätig, wo sie in geringer Zahl anftraten, verderblich, wo sie im Uebermaß vorhaildeu waren; sie haben an vielen Orten deil Teig über Gebühr gesäuert. Steinheim wurde denl Vaterhause früh entführt, da, als fein Lehrer Meyer nach Haniburg übersiedelte, der talentvolle Knabe ihm dorthin folgte. Dort wuchs er unter sorgsamer Obhut heran, und er war ausgezeichnet unter seinen Altersgenosseil durch vielseitige Fähigkeiten; so soll er in feinem zwölften Jahre ein Miniaturbild seiiler Tante angefertigt haben, das von Kennern als meisterhaft gertihmt wurde. Nachdem er seine Gymnasialstudien beendigt hatte, stndirte er iil Kiel Medicin. Schon damals war sein Sinn, wie ans einer von ihm selbst berichteteil Thalsache hervorgeht, ernst itnb sittlich gefestet. In Kiel war nämlich unter den Studenten das Hazardspiel in die Mode gekommen, und alle Ermahilnngeil und Edikte des Senats konnten der Spielwuth, unter welcher die Universität gar sehr litt, nicht steuern. Da that sich Steinheinl nnt einigen Freunden (es waren im Ganzeil gegen zwanzig) zusammen, nnt durch kollegialen Zuspruch etnent Unfug eilt Ende zu machell, deil die Autorität nicht hatte banneil können. Und dies gelang ihnen auch vortrefflich. Im Jahre 1813 ging er nach Altona. Dort gewann er eine ausgedehnte Praxis und ein ansehnliches Vermögen; er verheirathete sich, und seine Ehe war eine glückliche; Weiligstens scheint dics ans einem Sonette hervorzngehen, welches er seiner Biographie Büdiugers voranschickte, und in welchem er dieses Büchlein seiner Frall widmete. Dieses Sonett schließt mit den Worten: O bleibe fest! mein Denkmal: Kund' in später Frist Was Er der Gattin war, was Du dem Gatten bist.