Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 8)
- Language
- German
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354 Salomon Ludwig Steinheim. benheit verekelt, wenn er in seinen Harlekinaden jene (der Orthodoxen) Kapuzinaden bespöttelte; eine solche Generation mußte jeden Rechtschaffenen empören, und wird dem Freunde der Wahrheit zuni Abscheu und zum Aergerniß. Der sittliche Ernst, die tiefe Religiösität, von welcher je und je die wahren und bleibenden Umgestaltungen in dem Gebiete der Religion ausgebrochen sind, von dieser war die Rede nicht; alle Reformen waren äußerliche, und ihr Princip und Motiv lagere beide außerhalb des religiösen Lebens selbst, hatten äußerliche Veranlassungen und äußerliche Zwecke. So stand es um die Zwitter- und die Mißgestalt der neuen Priesterschast, ohne Weisheit, ohne Vertrauen, ohne Gemüthstiefe, ohne Denktiefe, stark in Zungendreschereien mit ihren allgemeinen dem wahren Pöbel mundgerechten Systeme von Schein und Täuschung. ..... Jedweder sieht leicht ein, daß es besser ist, einen Gehalt haben ohne schöne Form, als eine schöne Form ohne Gehalt; und daß es leichter ist das Gefäß zu schaffen, als ihm seinen Inhalt." Ein solches Konterfei, das an bett Sakarsmus Schopenhauers erinnert, wenn er auf die Professoren schimpft, die von der Philosophie und nicht für dieselbe leben, entwirft Steinheim von den ״Rabbinodoktoren," wie er die rationalistischen Prediger höhnend nennt; was Wunder, daß sie ihm nicht hold waren, daß sie keine besondere Neigung hatten den auf's Schild zu heben, der diese Erhöhung und Anerkennung nur mit schroffem Vorwurf über ihr ganzes Gebahren gedankt haben würde. Dazu hatte er als aufgeklärter Mann auch für den starren ״wüsten Formglanben" keine Vorliebe; noch verhaßter womöglich als diese beiden Antipoden Nationalismus und Orthodoxie, ivar ihm, dem Arzt und Naturforscher, der Mysticismus, der Bastard des Un- und Aberglaubens, der damals Christenthum und Judenthum niit seinen ungesunden Nebeln füllte; so widerlich war ihur diese Abart der Religion, in der er mit Recht die schlimmsten Keime der Sinnlichkeit, des Heidenthums, das den Baal, die Astarte, die magna mater in wüsten Orgien ehrte, wieder heraustreten sah, daß er den biblischen Orient eine geradezu ״gotteslästerliche" Schrift nannte. Roch war die neue Partei nicht erstanden, wenigstens war sie noch nicht zu maßgebendem Einfluß gelangt, die dem Geiste des Judenthums gemäß den alten Wein