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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 8 · p. Seite 353

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 8
Article
Salomon Ludwig Steinheim
Date
1872-01-01
Page
Seite 353 (sequence 7)
Language
German
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Salonwn Ludwig Steinheim. 353 Bedürfniß, sich in die Lehre des Judenthums zu vertiefen, so leb- Haft gefühlt, noch auch nur annährend so gut befriedigt hat als Steinheim? Steinheim hat Jahrelang in Altona Ehrenämter . der jüdischen Gemeinde bekleidet, er hat, obgleich nicht wie Rießer mit seinem persönlichen Vortheil an der Judenemancipation interessirt, die Pfeile seiner Rede gegen die Feinde seines Volkes geschleudert, er war sonach keineswegs in dem Grade dem Judenthume entfremdet, in welchen! dieses sich seinen Werken entsrenrdete. Zu dem von Graetz erwähnten müssen noch andere Gründe hinzukommen, um das Phänomen zu erklären. Einen weniger erheblichen, aber auch nicht ganz zu übersehenden finden wir darin, daß Steinheim sich im Kampfe der Parteien, welche sich innerhalb des Judenthums befehdeten, neutral verhielt oder vielmehr, gleichsehr unzufrieden mit der rechten und der linken, gegen beide seine Geschosse richtete. Er stellte die plica polonica, den Weichselzopf, mit welchen! Krankheitsnarnen er die polnische Orthodoxie bezeichnete, auf eine Stufe n!it dem gepuderten Zopfe der Berliner Rationalisten, er sagt: als hätte das Judenthum ohne Zopf nicht existiren können, so heftete es sich, kaum daß Mendelsohn den polnischen, den Ufern der Weichsel entstammten abgeschnitten hatte, sofort den deutschen Puderzopf an's Haupt. ״Die Propaganda des Aberglaubens und servilen Buchstabendienstes", so schreibt er, ״hatte sich nunmehr in eine Propaganda des Unglaubens und der superklugen Frivolität umgewandelt. Diese letzte hatte eine vergnügungssüchtige, leichtsinnige Jugend bald gewonnen und zog vorander Schaar der Spötter und Witzlinge; der sklavischen Unterwürfigkeit war der knabenhafte, freche Muthwille gefolgt; dasjZeitalter der Späße, des Lachens, des Witzelns war da, und überall Helle Aufklärung! Wie groß war gegen dieses Geschlecht das untergegangene. Das gegenwärtige, jeder wahren Erhebung unfähig, sah sich nunmehr des himmlischen Vaterlandes beraubt und hatte kein irdisches dafür gewonnen; das vergangene hatte noch seine Stätte in jenen geistigen Regionen des Uebersinnlichen und betete unter tausend Schnörkeln doch nur den einzig Anbetungswürdigen an. Wer würde nicht jene Uebersülle immer noch dieser aufgeblasenen Ausgehöhltheit vorziehen? Wem wurde nicht der armselige Rationalisnms und seine eingebildete Erha- Frankel, Monatsschrift XXI. s. 23

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