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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 8 · p. Seite 352

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 8
Article
Salomon Ludwig Steinheim
Date
1872-01-01
Page
Seite 352 (sequence 6)
Language
German
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352 Salomon Ludwig Steinheim. verkörperte Antichrist, auf einem christlichen Kirchhofe begraben liegt» bezeichnet Graetz mit schönen Worten als die Folge jener Geringschätzung jüdischen Brauches: da er so gering undabschätzig über Formen dachte, warum sollte seine Gattin Anstand nehmen, auch über diese letzte Aeußerlichkeit, über den abergläubischeu Wunsch jedes Juden, im Tode neben den Seinen zu ruhen, sich hinwegzusetzen; weil er das Gesetz, den Körper der jüdischen Lehre wenig geachtet hat, ruht auch sein Körper bei den Fremden. Diese Grabstätte auf dem christlichen Kirchhof sei kein Zufall, sondern gleichsam das Symbol für den Erfolg seines Thun's und Trachtens bei Lebzeiten. Denn der jüdische Stamm glaubt (und zwar nicht ganz ohne Grund) nur schwer an die Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit eines Mannes, der in erhabenen Worten schöne Ideen über den jüdischen Glauben ausspricht und sich als dessen begeisterter Verehrer kund giebt, so lange er nicht auch in den äußeren, das Leben beengenden Formen sich ihm anschließt; er hat Mißtrauen gegen Leute, die für ein Judenthum in der Idee schwärmen, aber dem faktisch vorhandenen Judenthum den Rücken kehren; er hält die schönsten Reden solcher Männer, rvie sehr sie auch überströnrten von Begeisterung und Bewunderung für den alten Glauben, doch nur für leeren Schaum, für einen Gefühls- und Geistesluxus, wie ihn der höher Gebildete zu allem andern Konfort gleichfalls nöthig hat; er meint, solche Leute könnten wol Priester, aber nicht Opfer ihrer Ueberzeugung sein und — mag keine Lehre von solchen Priestern. So ungefähr erklärt Graetz die Thatsache, daß Steinheim, er, der als Dichter doch ain ehesten zum Ohr und zum Herzen des Volkes dringen konnte, er, der als Denker nicht nur Ideen zu erzeugen, sondern sie auch mit dem Schmuck der Redeju zieren verstanden hat, daß er trotz alledem fast so vergessen ist, als wäre er nie gewesen. Aber wenn es auch wahr ist, daß Steinheim von ererbtem Brauche sich vielfach losgesagt hat, so hat er doch dies in keinem höhern Grade gethan als viele Andere, die jeder nennt, der auch nur flüchtig sich um das Judenthum der Gegenwart gekümmert hat, als Gabriel Rießer z. B., dessen Name unter seinen Glaubensgenossen so gefeiert ist und der dennoch weder das

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