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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 8 · p. Seite 351

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 8
Article
Salomon Ludwig Steinheim
Date
1872-01-01
Page
Seite 351 (sequence 5)
Language
German
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Salomon Ludwig Steinheim. 351 dennoch als er starb, da war es nur eine kurze Zeitungsnotiz, die davon der Welt Kunde brachte; Keiner von denen, die ihn näher kannten, hielt es für werth, seinen äußern Lebensgang aussührlicher zu beschreiben. Gleich als wäre er ein Autor aus verschollenen Tagen, als wäre er nicht erst vor sechs Jahren aus der Welt geschieden, sind wir, die wir Steinheim nur aus seinen Büchern kennen, hierin auf einige spärliche Notizen angewiesen; ja viele von feinen Werken sind selbst in großen jüdischen Bibliotheken nicht zu finden und auch in jüdischem Wissen erfahrenen Männern ist vielfach kaum der Name und höchst selten viel mehr als dieser bekannt. Graetz, der übrigens zuerst die Tüchtigkeit dieses Mannes erkannt und ihm im letztet! Bande seines Geschichtswerkes, in dieser Ruhmeshalle der jüdischen Gegenwart, eine hervorragende Stelle angewiesen hat, wirft alle Schuld für dieses Vergessen und Verschollensein auf den Mann selbst. Da er es verschmäht habe, in den Formen und Bräuchen sich seinem Stamme anzuschließen, da er so zu sagen die Uniform der Gottesstreiter nicht habe tragen wollen, da er seine Brüder verlassen, so sei es kaum zu verwundern, daß auch die Brüder von den! stolzen, ihnen halb entfremdeten Mann nicht viel wissen mochten und sich ohne ihn behalfen. Und freilich ist es wahr, daß Steinheim sich an seinem Schreibpulte weit lebhafter als Jude fühlte als draußen in! Leben; selbst wenn wir ihm für einen Moment zugeben, daß das Cerenronialgesetz nur das Ghettokleid, nur der gelbe Fleck sei, welchen die Juden in ihrer Unbildung sich selbst angeheftet haben, so hätte ihn Mendelsohn's Beispiel daran erinnern sollen, daß, wer aus seine Glaubensgenossen wirken will, auch wenn seine Erkenntniß den engen Formen seines Volksthums entwachsen sei, daß der doch zu seinen Brüdern sich stellen müsse. Wer dis Entsaguug nicht übt, sich auch den Vorurtheilen seines Volkes, so lange es sich nur um äußere Formen handelt, zu unterwerfen, um kein Mißtrauen gegen sich zu erwecken, der darf tiber Mangel an Erfolg nicht klagen, da er selbst die Schranken ausgethürmt hat zwischen sich und seinem Volke. Die seltsame Fiiguug, daß Steinheim der radikale Gegner des Christenthums, sei es nun, daß wir es als Glauben oder als Moral oder als historische Macht auffassen, daß Steinheim, dieser

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