Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 4)
- Language
- German
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350 Salomon Ludwig Steinheim. So reich ist das Judenthum in diesem Jahrhundert an großen Menschen gewesen, daß es im Ueberfluß, in dem es schwelgte, manch' wackern Sohn, der ihm zur Ehre gereicht, vernachlässigt und bei Seite gestellt hat; und dies widerfuhr nicht nur solchen, die wirklich in diesem Zeitalter als dli minorum gentium, als Sterne zweiter Größe gelten konnten; dies wäre ein Schicksal, das sich alle Sterne von geringerem Lichte oft gefallen lassen müssen, für das Auge des Menschen matter zu strahlen oder gar zu erlöschen, wenn ihre bevorzugten Genossen die größere Lichtfülle der Erde spenden, erst aufzugehen, wenn diese untergehen. Aber zuweilen ist der Blick des Schauenden nach einer Seite gebannt; er sieht nur nach diesen Sternen, während vielleicht an einem anderen Theilen des Himmels neue Leuchten aufgegangen sind, deren Licht nicht minder hell und klar zur Erde fließt. Allerdings kann dies nur dann geschehen, wenn der Himmel recht reich mit Sternen geschmückt ist. Wenn in einer bewegten Zeit viele Männer in die Arena treten, da wird wol mancher, dem der Zufall nicht hold ist und der sich nicht selbst in die vordersten Reihen drängt, im ersten Fluge übersehen; aber es sind eben die besten und uicht die schlechtesten Früchte, die am spätesten reisen; und es sind auch oft die besten und nicht die schlechtesten Menschen, die spät erkannt werden; ihr Kern liegt in einer Schale verhüllt und geschützt zugleich, während die aufdringlichen Blumengeister fast ihre ganze Kraft in die Hülle flößen, daß für den Kern nur wenig übrig bleibt. Ein solcher kernhafter, aber wenig erkannter Geist war der Mann, dessen Name an der Spitze dieses Aufsatzes steht; Salonwu Ludwig Steinheim hat für sein Volk gedichtet, gedacht, gekämpft; er, dessen Lebensberuf ihn in ganz andere Bahnen führte, — denn er war Arzt — hat so die Blüthen wie die reifste Frucht seines Geistes seiner Religion und seinem Stamme gewidmet; Zuuz, der spröde, im Lobe übervorsichtige Mann, nennt ihn ״nach vielen Seiten ausgezeichnet." Graetz und nach ihm Zunz nennen ihn den Philo unserer Zeit und wir fürchten von denen, die beide, Steinheim und Philo kennen, kaum Widerspruch, wenn wir selbst diesen Vergleich nur oum graue salis gelten lassen, wenn wir sagen, daß hierbei Steinheim noch keineswegs sein volles Recht zu Theil wird, lind