Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 348 (sequence 2)
- Language
- German
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Salon: on Ludwig Stemheim. 34 8 wie sie selbst diese Institution, die ihre Geschichte nach Jahrtausenden zählt, in diesen: Umfang, in dieser intensiven Kraft noch nicht erlebt hat. Wie aber das Weib sich gerade dann fast als ein Opfer des Todes wähirt, wenn es neues Leben erzeugt, so betrachten viele, deren Herz an: lebhaftesten für die Religion der Väter schlägt, die Wehen der Geburt für die Zuckungen einer Sterbenden, während doch in Wahrheit der Nebernsinder und Erlöser geboren wird für die vom Materialismus geknechtete Welt. Es schmerzt die Seele, wenn ihr die Flügel wachsen, wie uns die alte Sage erzählt; wie sollte die Volksseele nicht zusammenzncken, sie, der so lange die Flügel beschnitten wurden von Freund und Feind, sie, die so lange am Boden ha fiele, wenn ihr endlich frei die Schwingen sich regen, und mit der Freiheit die Lust, und mit der Lust die Kraft zum Fluge wächst? Leicht und bequem mag es für die Raupe sei!: in dunklen: Kleide dazuliegen, aber will sie zum blühenden Falter werden, so muß sie den Schinerz auf sich nehmen, die Hülle, die ein Stück ihres Lebens ist, selbstzu sprengen. In diesem Zustand des Werdens, des Gestaltens liegt die Ursache für die Muthlosigkeit der Gute!:, für so manches Unsertige, das ihren Blick stört. Der schönste Bau ist eben nicht erfreulich, so lange das Gerüst ihn umschließt. Zwar könnte im Grunde jede Zeit ihre Schwächen mit der Redensart entschuldigen: sie sei eine Uebergaugsperiode, denn jedes gegenwärtige schafft auch für die kommenden Geschlechter; und es ist wirklich mit diesem Worte viel Unfug getrieben worden, wir würden es z. B. nur mit großen Einschränkungen vom neunzehnten Jahrhundert über- Haupt gelten lassen; dem: wen!: es auch natürlich den Beruf hat, die Zukunft vorzuberetten, so hat es doch selbst zum größten Theil die großen Ideen, von denen es bewegt wird, mehr geerbt als erzeugt. Anders beim I u d e n t h u m des neunzehnten Jahrhunderts; dieses hatte an sich die Arbeit nachzuholen, welche die christliche Welt während des letzten halben Jahrtausends beschäftigt hat; wer so viel z!: thun hat, der darf Nachsicht fordern, mit dem dürfen wir es, wem: er in: Sturm und Drang der Geschäfte zuweilen das Maß überschreitet, nicht allzu genau nehmen. Wie gesagt, es ist ein leeres Spiel, wenn eine Zeit, die auf de!: starken Quadern der Vergangenheit sich erhebt, ihre Schwächen