Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 347 (sequence 1)
- Language
- German
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Salomon Ludwig Sleinhemr. 347 Salomon Ludwig Sleinljeim. 1. Das Judenthum der Gegenwart hat über sich selbst eine nichts weniger als vortheilhafte Meinung; während die Einen die gute alte Zeit überschwänglich preisen, und in der unfern fast den Untergang des alten Glaubens, der doch schon so manchen Sturm erlebt hat, fürchten, geht den Andern der Proceß der Auflösnng viel zu langsam vorwärts; Stürmer und Dränger, die ihr ganzes Leben daran gesetzt Haberl, das Judenthum, wie es in der geschichtlichen Entrvickelung sich ausgestaltet hat, zu zerstören und eine Religion eigenen Fabrikats an die Stelle zu setzen, nehmen wahr, daß so viele stürmische Angriffe wol einige Steine von der alten Glaubensfeste losgelöst haben, aber Symptome der Auflösung, des Zusammenbrechens der Feste liegen noch gar nicht vor. Woher diese Verzagtheit auf beiden Seiten, die sich gegenseitig widerlegt? Nun, wie es scheint, wird es noch etwas lange dauern, bevor dieses ״Wurrder aller Wunder" als welches Hamann jeden lebendigen Juden bezeichnet hat, aus der Welt schwinden wird und rvenn dieses, so zu sagen natürliche Wunder unserer Tage all' die Gotteszeichsn der Vorzeit aufwiegt, so werden noch viele Geschlechter in's Grab sinken, bevor der Zeit dieser Markstein und dieses Erinnerungsmal an die Offenbarung fehlen wird. Dies sieht die unbefangene geschichtliche Betrachtung, und nur die Gläubigen, nur die Freunde übersehen es? Ist es doch die Art des Freundes, sich noch da mit Hoffnung zu schmeicheln, wo die Freniden den Niedergang als mit Gewißheit bevorstehend betrachten, und in diesem Falle wird die Hoffnung da am ehesten anfgegeben, wo dies am spätesten hätte geschehen sollen? Dies Alles jedoch verliert den Anschein des Wunderlichen, wenn wir den Zustand des Judenthums während dieses Jahrhunderts als eine Krise auffassen, als eine Umwandlung und Erneuung,