Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Über die Ursprünge des Philonischen Logos
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829416-2829424-2866628--14200-2866655- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
304 lieber die Ursprünge des Philonischen Logos. ja er ist auch der Messias, der m unbestimmter Zukunft wieder für sein Volk wirken wird." Der Logos bei Philo ist bald die Gottheit selbst unter einer bestimmten Beziehung, bald eine von derselben völlig getrennte Persönlichkeit; zum «rstern zwang sein Monotheismus, zum zweiten seine iiberspannte Auffassung der göttlichen Würde, die sich durch die Berührung mit der Sinnenweit beflecke; so mußte der Logos etwas Anderes sein als Gott und doch ihm gleich, weil er aus Gott kömmt; etivas anderes als die Materie und doch ihr verwandt, weil er auf sie wirkt. War schon dies ein gewichtiger Anlaß, daß er den Logos häufig personificirte, so war der andere nicht schwächer, der in seiner eigenthümlichen Schriftinterpretation lag; ihm zerflossen die meisten geschichtlichen Ereignisse in allegorische Nebel; und so war der sinnliche Name noch der letzte Nest des realen Daseins der geschichtlichen und von Philo allegorisirten Persönlichkeiten. Häufig nrochte ihn auch die Interpretation des Schriftwortes über seinen ursprünglichen Jdeenkreis hinansführen, wenn die Allegorie nicht ganz ohne Rest in den Text ansging. Es ist hierbei festzuhalten, was Frankel ernirt hat, daß die Werke des Philo vielfach nichts Anderes bieten, als populäre religiöse Reden. Beim Kanzelredner aber passirt es auch heute noch nicht selten, daß der Text um des Gedankens willen gewählt wird, daß aber dann der Text den Gedanken in bestimmte, diesem oft nicht adaquate Bahnen zwingt. Der Text ist ihm etwas Heiliges und Unverletzliches, wenn er noch so drollig mit ihm umspringt; wenn er hebräische Eigen׳ namen griechisch deutet, so ist dies ihm keine Spielerei, obwohl es uns so vorkönmit; Frankel thut ihn» wohl Unrecht mit dem Vorwurfe, er habe zuweilen ganz vergessen, daß der Text ursprünglich hebräisch sei; nein, das vergaß er wahrscheinlich nie, aber er hielt das Griechische ganz ebenso für eine heilige Sprache wie das Hebräische; die Septuaginta war für ihn bekanntlich gleichfalls ein Werk der Jnspiratioil, utrd nach seiner ganz streu-