Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Über die Ursprünge des Philonischen Logos
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 17)
- Language
- German
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lieber die Ursprünge des Philonischen Logos. 308 gen und folgerichtigen Jnterpretationstheorie rnußten sich die Eigennamen ebenso nach dein gleichklingenden hebräischen, wie nach dem ähnlichen griechischen Stamme etymologisiren und symbolisiren lassen, sonst hätten die Septuaginta eben den hebräischen Text nicht ersetzen können; dem Text also muß sich der Gedanke fügen, und so häufen sich die Widersprüche in's Zahllose. Das phantastische Ingenium Philo's, das Widerspruchsvolle seines Grundbegriffes, endlich seine seltsame Methode erklären hinlänglich die Verwirrung, die wir entdecken, wenn wir seine Meinungen srfftematisiren wollen. Den Logos, als die der Welt immanente Vernunft des dennoch außerweltlichen Gottes, lehrt schon die Schrift, wenn sie sagt: die ganze Erde sei voll der Herrlichkeit Gottes, wenn sie Maß und Schönheit der Welt preist. Der Logos Philo's aber konnte nie Bürgerrecht inr Judenthum gewinnen. Philo ist ein glänzender, für seinen Glauben begeisterter Schriftsteller und verräth eine ausgebreitete philosophische Kenntniß; darin besteht sein Werth; seine Wichtigkeit aber und nicht sein Werth liegt allerdings im Ausbilden des Logosbegriffes, welcher dem neuen Christenthum ein. philosophisches Relief gegeden hat. Heinze schließt das Kapitel über Philo mit den Worten: ״Trotz des Mysticismus, trotz der Widersprüche die sich vielfach in seiner Logoslehre finden, ist es Philon doch, der den Begriff des Logos als eines Mittelwesens zwischen Gott und der Welt zu einem gewissen Abschlich gebracht hat, wenn auch nicht in rein philosophischer Weise, da häufig die theologische und theosophische Färbung vorwaltet." Wir haben diesen Abschluß weder begrifflich noch geschichtlich wahrgenommen; begrifflich ist Philo's Logos ein vollkommener Widerspruch, und geschichtlich ist er nicht ein Abschluß, sondern der Anfang und der Urheber einer ganzen Reihe von Irrungen, die bis auf den heutigen Tag nachwirken. Frankel, Monat»Ich>'!st. XXL. 7. 20