Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 7 · p. Seite 297

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 7
Article
Über die Ursprünge des Philonischen Logos
Date
1872-01-01
Page
Seite 297 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829416-2829424-2866628--14193-2866648
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Lieber die Ursprünge des Philonischen Logos. 297 die äräyxrj herrscht, um so tiefer wird die Kluft, welche die Ethik von der Physik trennt; und wenn wir schon bei Heraklit fragen konnten, warum er denn griesgrämig in die Welt schaut, da doch jeder so gut ist, als er nach dem Naturgesetz sein kann, da doch also jeder den Willen der Gottheit erfüllt, so wird die Stoa, die den pantheistischcn Materialismus nur consequent durch geführt hat, um so eher dieser Frage Rede stehen rnüssen. Der Vers. nun sagt sehr Schönes über den ioyog und die Xöyot, antniumxoi, aber am Schluß bekennt er die völlige Aporie, Physik 1mb Ethik der Stoa nur irgendwie verbinden zu können. Durch die Stoa kam der Logos, wieHeinze meint, zu Philo; aber die jüdisch-hellenistischen Denker hatten dem Philo vorgearbeitet. Zwar was Gförer sagt, daß der Logos damals in allen Köpfen spukte, daß er schoir die Uebersetzung der siebzig unsicher mache und selbst zum Josephus sich verirrt habe, ist überspannt rrnd unwahr; jedoch schon die Tendenz der alten Bibelversionen, alles Anthropomorphische von Gott fern zu halten, hat etwas Verwandtes mit der philonischen Theosophie; die Schrift hatte die Lehre von der rein geistigen Natur Gottes hingestellt, sodann im klebrigen ״gesprochen nach der Weise der Menschen;" aber die Menschen wollten wie die Götter reden und der Natur der Sprache zuwider rein geistige Vorgänge rein geistig ausdrücken; es war schon in diesem Supranaturalismus ein gut Stück gläubiger Sophistik; indeß lag bei alledem doch nur die Tendenz vor, die Schrift korrekt zu verstehen und eS ist ja richtig, daß alle sinnlichen Ausdrücke bei Gott metaphorisch zu nehmen sind. Dagegen besitzen wir Fragmente von Aristobul, dem peripatetischeu Philosophen, in denen wir der philonischen Theorie vom Bösen begegnen. Unser Autor geht noch weiter und sagt: es werden bei Aristobul zwischen Gott und die Welt Kräfte nicht blos schädliche, sondern auch gütige wie ein e Art Mittelstufen eingeschoben, die sogar dein Wesen nach von Gott getrennt sind, da er ihnen geradezu entgegengesetzt wird, und sie Wirkungen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.