Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Über die Ursprünge des Philonischen Logos
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 295 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829416-2829424-2866628--14191-2866646- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
lieber die Ursprünge des Philonischen Logos. 295 gesprochen hätten?" Der Vers, übersieht hier offenbar, daß eine immanente Wettvernunft von dem rovc des Anaxagoras grundverschieden ist. Der rovc, der den Stoff gestaltet, der ihn nach Zwekken fornrt, die Trennung von Stoff und Form führt uns in die neue Aera, in der die griechischen Denker die Philosophie des Geistes ausbilden, mährend bei Heraklit der Stoff das Primäre, ja das Einzige ist. Daß dem Aristoteles derjenige, der von einem nvq y(>6v1!10v sprach, trunken schien neben dem Lehrer vom weltbildenden rovc, ist doch nicht gar so wunderbar. Dennoch ist damit das Schweigen des Plato und Aristoteles noch nicht ganz erklärt. Aber um dies Schweigen nicht mißzudeuten, müssen wir uns daran erinnern, daß das System des Heraklit ein Abbild seiner Welt ist; auch sein System ist in ewigem Werden und Gähren; bald meint er, diese Wett habe weder der Götter noch der Menschen einer gemacht, und anderwärts wieder bringt er die Gottheit hinein; er tadelt die Menschen, weil sie schlecht sind, und lehrt die drdyxr! 11. s. w. Was uns von Heraklit vorliegt, sind die Fragmente einer fragmentarischen Weltanschauung; er war der Mann der tiefen Blicke, der geistreichen Aphorismen; aber diese sind kein System, am wenigsten imponiren sie Leuten wie Aristoteles. Heraklits Lehre vom Feuer und dem Werden erinnert uns lebhaft an die modernste Physik, welche ja auch die mit der Wärme identische Bewegung als die Welt- Urkraft ausieht; aber ist darum Meyer ein Schüler Heraklits? die Knospe ist potenziell die Frucht, aber aktuell ist sie's nicht, da nruß noch vieles hinzukommen. Zu dem eitirt jedes Zeitalter aus einer alten Schrift die Sätze am liebsten, die seine Weltanschauung bestätigen. Deßhalb begegnen wir bei den spätern Aittoren, aus deren Citaten wir unsere Kenntnis; des Heraklit schöpfen, dem selbstbewußten Logos an mehreren Stellen. Plato aber und Aristoteles konnten den ephesischen Denker darum doch nicht in eine Reihe mit Anaxagoras stellen als einen Revolutionär ans dem Gebiete der Philosophie, weil eine tiefere ihn