Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Über die Ursprünge des Philonischen Logos
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829416-2829424-2866628--14188-2866643- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
292 lieber die Ursprünge des Philomschen Logos. Woher in aller Welt jedoch ist dieses seltsame Gedankenbild, dieser ״Schatten Gottes" zu Philo gekommen? Die Irrungen unserer Vernunft haben viel häufiger ihren Ursprung außer uns, als die klaren und reinen Gedanken; nur dadurch daß unser an sich normales Denken durch äußere Einflüsse gestört wird, daß unsere ״Cirkel verwirrt werden," entsteht der Jrrthum, und so wäre auch der Jude Philo nicht zum Logos gekommen ohne griechische Anregung. Der Logos hatte in Griechenland schon viele Jahrhunderte einen Platz in der Philosophie, bevor ihn Philo in sein System einwebte, und Prof. Heinze hat sich in seinem Werke, ״die Lehre vom Logos in der griechischen Philosophie" erfolgreich benrüht, diesen Begriff bis zu seinen Quellen zu verfolgen und sodann sein Wachsthum und seine Entwicklung innerhalb der griechischen Spekulation darzustelleu. Es hat nun freilich sein Mißliches, einen jeder philosophischen Spekulation so inhärenten Begriff wie den nicht hypostasirteu Logos gleichsam herauszuschneiden und getrennt zu schildern; es wird dadurch diesem Liebling ganz unwillkürlich eine größere Bedeuturlg innerhalb der Systeme vindicirt werden, als ihm absolut zukömmt, und diese Gefahr ist um so dringlicher, wenn dieser Begriff noch obendrein einen Alltagsnamen-wie Xöyog führt; es gehört eine feine Spürkraft dazu, den terminus Myog geschickt herauszufinden und ihn nicht mit seinem Namensvetter aus dem gewöhnlichen Sprachgebrauch zu verwechseln. Der Verf. ist nun allerdings ein sehr vorsichtiger Mann, aber manchmal hat ihn doch nach dieser Richtung sein guter Takt verlassen. So wird sogleich auf den ersten Seiten das Wort des Justin citirt, daß allerer« Xoyov ßowmvng Christen seien wie 2coxqärqg xal ‘Hqaxleitog xai ot ofioioc. Wer diese Stelle liest, ohne die Absicht, über den Logos ein Buch schreiben zu wollen, wird sie ganz harmlos finden; alle die veruunftgemäß gelebt haben, nimmt Justin für das Christenthum in Beschlag; daß Heraklit neben Sokrates besonders erwähnt wird, wird dem nicht auffallen, der sich an die tiefe Weltverachtung