Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Über die Ursprünge des Philonischen Logos
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 291 (sequence 3)
- Language
- German
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Ueber die Ursprünge des Philonischen Logos. 291 und sein Korrelat, die Strafe, aus dem Logos. Wie ein Herrscher wohl, wenn er seinen Unterthanen Gutes erweisen will, selbst erscheint, dagegen Uebles durch seine Diener vollstrecken läßt, so spendet Gott selbst das Gute, aber strafen läßt er durch den Logos; durch dieses höchst naive Gleichniß erläutert Philo selbst seine Auffassung. So beeinflußt das Zeitbewußtsein, das im Despotismus nichts Abnormes sah, sogar Philo's Idee von der Gottheit. Allerdings hebt dieses Gleichniß, wenn wir auf alle seine Theile ein gleiches Gewicht legen, die Lehre vom Logos wieder auf; denn nach dieser kann ja auch das Gute nicht unmittelbar aus der Gottheit kommen wegen der Unmöglichkeit einer Wirkung des Unendlichen auf das Endliche; aber wir müssen besonders bei Philo, dessen schriftstellerische Leistungen zum großen Theil aus Gleichnissen bestehen, die triviale Wahrheit nicht aus dem Auge lassen, daß jedes Gleichniß halb erklärt und halb verhüllt und entstellt. Und es bleibt eine Sache des guten Taktes mehr denn strengen wissenschaftlichen Interpretation herauszufinden, wie weit das Gleichniß bei Philo den Gedanken deckt, in wie weiter durch dasselbe entstellt und verzerrt wird. Aber ist denn tum durch den Logos die Schwierigkeit beseitigt wie der Geist jur Materie kommt? Gott als reiner Geist kann ja aus sich heraus nichts qualitativ geringeres und anderes erzeugen; die Mannigfaltigkeit der Dinge und ihre graduelle Verschiedenheit in der Welt entsteht eben aus der, unendlicher Abstufungen fähigen Theilnahme der Materie am Geiste; aber wo beide getrennt sind, da können sie nichts aus sich heraussetzen, was von seinem Urheber verschieden ist; wenn also Gott die Materie nicht formen kann, so kann es der Logos eben so wenig, und es bleibt schon, wenn man erst diesen Jrrgang betreten hat, nichts Anderes übrig, als zu sagen: der Logos muß Materie werden, um die Materie zu formen, ein Verfahren, welches freilich dem jenes Mannes nicht unähnlich ist, der aus Angst vor dem Ertrinken sich —in's Wasser stürzte. 19*