Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die zweifache Aussprache des hebräischen Resch
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 285 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829416-2829423-2866568--14177-2866621- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
285 Die zweifache Aussprache des hebräischen Resch. Ml Grund sehen, so wird diese Emendation noch mehr gerechtfertigt erscheinen. Stellen wir vor Allem die Regeln kurz ans, wie sie sich aus beiden Notizen bei Saadia und Jehuda Ben-Ali ergeben. Die Tiberienser sprachen in der Regel das ר weich aus. Nur bei zwei Ausnahmefällen sprachen sie es hart aus: s) Wenn es hinter S- oder T-Laut zu stehen kommt und es selbst oder die Vorconsonanten mit einem Schema vokalisirt sind: Beispiele צרופה דרכמיונים bei Saadias, מורק bei Ben-Ali. b) Wenn es vor den Liquida L. N. zu stehen kommt und und es ein Schema hat: Beispiele ברננה ערלתו bei Saadia, גרניות ,קרני,ערלי bei Ben - Ali und auch מך־לי, מר־לה, also auch bei makkafirten Wörtern. In allen übrigen Fälle!: dagegen, wenn kein Schema vorkommt, blieb es bei der Hauptregel,'daß ר weich ausgesprochen wurde. Also die weiche Aussprache ist Regel, die harte nur Ausnahme im Kontakt mit Muta S- und T-Laut oder mit den beiden Liquida beim Vorkommen von Schema. Beim Scherva tritt nämlich eine Verschmelzung des Resch mit den Nachbar-Consonanten ein, was bei einem vollen Vokal nicht der Fall ist. Zwischen Schewa mobile und quiescens wird hier kein Unterschied gemacht. . Es muH sich also als ein Mißklang angehört haben, wenn das R' in engster Verbindung mit Z (£), S, D, T, Th weich lauten sollte. Freilich nach der Gewohnheit unserer Aussprache können wir diesen Mißklang nicht herausfühlen. Es folgt also daraus, daß die Alten, oder sagen wir die Tiberienser, das Resch anders ausgesprochen haben müssen als wir. Aber wie? Hier drängt sich eine andere Beobachtung auf. Bekanntlich haben im Arabischen 'ר und ז dieselbe Figur und unterscheiden sich nur durch den diakritischen Punkt. Diese Figurgleichheit ist auffallend genug, da diese beiden Consouanten anscheinend keinerlei Klangähnlichkeit haben. Von dieser Thatsache ausgehend, müßte man umgekehrt annehmen, daß ר und 1 einander nicht so ganz fremd sind, wie sie unserem Ohr klingen. Eine Analogie dazu bietet das s l a v i s ch e 2 mir dem diakritischen Zeichen £, das bekanntlich etwa wie rsch ausgesprochen wird. Hätte nun