Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Miscellen zur rabbinischen Sprach- und Alterthumskunde
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 15)
- Language
- German
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MiScellen zur rabbinischeu Sprach- und Alterthumskunde. 265 man die von L. Geiger betonten geistigen Beziehungen Vorderasiens zu dem Osten gelten läßt, so überrascht das Zusammentreffen der von König Salomo gedichteten 1005 Lieder (I. Kön. 5, 12) mit den 1007 Hymnen des Rigveda. Nach M. Müller ist der Nigveda wahrscheinlich nicht jünger, als die ältesten Theile der Bibel und ״erschließt in voller Wirklichkeit eine Periode, von welcher wirin Griechenland nur Ueberlieferungen und Namen wie Orpheus und Linus besitzen und bringt uns den Anfängen der Sprache, des Gedankens und der Mythologie so nahe, als uns literarische Urkunden in der arischen Welt jemals bringen können" (Essays I, 5, 70). Wie, wenn nun diese genau festgestellte und im Munde des Volkes wohl bekannte Zahl der Hymnen des Rigveda dem Erzähler des Königsbuches vorgeschwebt hätte, der damit Salomo den gleichen Rang mit den Dichtern des Veda auweisen wollte, Salomo, ״dessen Weisheit größer war als die Weisheit aller Söhne des Morgenlandes und als alle Weisheit Aegyptens" (I- Kön. 5, 10). — Für die von den Brahmanen noch heute ihren heiligen Schriften zugewandte Sorgfalt ist der Bericht eines Augenzeugen, des Herrn Prof. M. Haug (Brahma und die Brahmanen. Vortrag in der öffentl. Sitzung der kön. Akademie der Wissenschaften zu München gehalten, 1871, S. 47— 48) sehr interessant: ״Bei einer Versammlung von Brahmaneu, . . . über die ich im Jahre 1861 präsidirte, fanden sich etwa 600 Mitglieder der Brahmanenkaste, meist aus dem Dek- Han ein, die den Ehrentitel Edsus führten und als professionelle Hersager der wedischen Texte berühmt waren. Die besten . . . wußten den Text der wedischen Lieder in dreifacher Form u. s. w. auswendig. Daß dieses Auswendigwissen nicht etwa bloße Präcension war, davon hatte ich mehr als einmal Gelegenheit, mich zu überzeugen. Jeder mit den Anfangsworten angeführte Vers des Rigveda oder Stück eines Brahmana oder eines andern vedischen Buches wurde sofort auf Verlangen vollständig mit Beobachtung des Accents ohne einen Fehler aus dem Kopfe hergesagt. Auf mein Befragen, wie viel Zeit gewöhnlich auf das Auswendiglernen eines so massenhafter Stoffes verwandt werde, erhielt ich zur Antwort; zwölf bis fünfzehn Jahre, was auch sehr glaublich klingt. Brahinanen versicherten mich oft, die Kenntniß