Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 6 · p. Seite 249

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 6
Article
Die Integrität der Kapitel 27 und 28 im Hiob
Date
1872-01-01
Page
Seite 249 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829416-2829423-2866565--14137-2866585
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Integrität der Kapitel 27 und 28 im Hiob. 24S darüber gesagt ist, wird das Jrrthümliche dieser Behauptung augenfällig. In Hiob ist von der höhern Weisheit, welche beu Zusammenhang der Dinge betrifft, gewissermaßen die t ra nsc en d ente Weisheit geschildert. Diese ist für den Menschen unbegreiflich. Dagegen in den Sprüchen ist die Weisheit weiter nichts, als die Erkenntniß der Religion und Moral, von der auch der Dichter des Hiob aussagt, daß sie dem Menschen gehöre. Diese Weisheit ist verwandt mit ערכוה, w eltlicher ״Klugheit" und mit ״ מומהU eber l eg!tilg" (Spr. 8, 12), insofern sie wie diese vor Schaden schützt. Der Dichter dieser Partien will sagen, Religion und Moral sei eben Lebensklngheit; ״lange Lebensdauer ist in ihrer Rechten und Ehre und Reichthunl in ihrer Linken" (5, 17). Ganz besonders schützt sie, daß man nicht in die Netze eines verführenscheir Weibes gerathe, was dem Dichter ganz besonders am Herzen lag. Mit einem Worte, dieser Dichter verherrlicht, so zu sagen, die hausbackene Moral und die hausbackene Klugheit, während der Dichter des Hiob unter Weisheit die höchste Erkenntniß feiert, die dem Menschen vollständig unzugänglich ist. Wenn Einleitung zu Mischte die tlkocllma personificirt, daß sie noch vor der Schöpfung dagewesen, und daß Gott mit ihr Himmel, Meer und die bewohnte Erde geschaffen habe, so versteht er nur darunter die Neberlegtheit und Planmäßigkeit bei der Schöpffmg, daß z. B. das Meer nicht die Erde überschwemmen soll. Der Gegensatz dieser ״Weisheit" ist Th o rheit, welche blind und gedankenlos handelt und ins Verderben führt. Ter Gegensatz der ״Weisheit in Hiob" dagegen ist Unzulänglichkeit der Erkenntniß, die sich in dem sichern Zusammenhänge der sittlichen Weltordnung nicht zurecht findet. Merx hat diese grundverschieden« zweierlei 6Koebms mit einander confundirt; wie dem Volke im Nathan ist ihin iveise nichts weiter als klug, und daher setzt er irrthümlich Hiob mit der Einleitung zu den Sprüchen in Beziehung. Er war daher genöthigt, den Versen Zwang anzu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.