Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 6 · p. Seite 248

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 6
Article
Die Integrität der Kapitel 27 und 28 im Hiob
Date
1872-01-01
Page
Seite 248 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829416-2829423-2866565--14136-2866584
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

248 Die Integrität der Kapitel 27 und 28 im Hiob. geltend macht, sind ganz anderer Natur als die, welche Zophar aufstellt. Dieser ahnt nur, es müsse eine Weisheit geben, welche nur bei Gott ist, dem Menschen, aber unbegreiflich bleibt. Worin diese höhere, waltende Weisheit besteht, vermag er nicht anzugeben. Die letzten Kapitel der Theophanie erheben aber diese Ahnung zu einem selbstgewissen Wissen. Sie zeigen, wie Gott nicht bloß Schöpfer, sondern auch E r h a lt e r des Weltalls ist, wie seine Vorsehung sich über das Größte und Kleinste erstreckt. In diesen Gedankengang bewegen sich die letzten Reden. Eine solche näher definirte Weisheit Gottes, die sich als Providenz bethätigt, vernrag die Pessimisten besser und nachhaltiger zu überzeugen, als die bloße Ahnung von einer unbestimmten ״ חעלומח חכמהGeheimniß der Weisheit." Auch in diesem Zuge zeigt sich die tief angelegte Kunst des hochbegabten Dichters, daß er die Ideen, welche er zum Bewußtsein bringen will, allmälig entwickelt und passende Rollen dafür austheilt. Die Weltleitende Weisheit wird von Zophar nur angedeutet, von Gott aber ausführlich nachgewiesen. Ist die geheimnißvolle Weisheit des Weltzusammenhanges dem Menschen unbegreiflich, so durste der Dichter ihren tieferen Inhalt weder von Zophar, noch von Elihu entwickeln lasseil, sondern nrußte ihn Gott selbst in den Mund legen. Kommen wir auf die von Zophar geltend gemachte geheimnißvolle Weisheit zurück, um einen Jrrthum zu berichtigen, den Merx sich hat zu Schulden kommeil lassen. Er behauptet: es befänden sich Berührungspunkte zwischen der Schilderung der Weisheit im Hiob und der in der Einleitung zu den Sprüchen; ja er geht noch weiter in der Annahme, der Vers, des Hiob habe dieses Stück in Mischls gekannt und polenrisire versteckt gegen diese Lehre von der Weisheit. Hier sei angegeben, der Mensch könne die Weisheit fsilden, wenn er sie nur wie Gold und Schätze suche; in Hiob dagegen wird im Gegentheil durchgeführt, sie sei für den Menschen unfindbar. Nach dem, was eben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.