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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 6 · p. Seite 245

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 6
Article
Die Integrität der Kapitel 27 und 28 im Hiob
Date
1872-01-01
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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Die Integrität der Kapitel 27 und 28 im Hiob. 245 Himmclshöhen, was kannst Du da thun, tiefer als das Grab, was kannst Du da wissen? Umfangreicher als die Erde ist ihr (der Weisheit) Maaß und weiter als das Meer" (II, 5—10). Im zweiten Dialog kommt Zophar zwar nicht auf diesen Grundgedankeir zurück, sondern betont nur die Unbeständigkeit des Glückes, weil auch ihm wie Bildad daran liegt, die von Hiob behauptete Straflosigkeit der Frevler zit widerlegen. Ueberhaupt darf nicht übersehen werden, daß Hiob's Pessimisinns und die Theodicee seiner Freunde mehr die triibe Erfahrung ins Auge fassen, daß die Misfethaten der Frevler und Bösewichter, und im Grunde ganz besonders der Glückzerstörenden Eroberer scheinbar ungestraft bleiben. Man kann durchaus nicht behaupten, daß in Hiob die Frage unüs malum ventilirt wird, vielmehr die andere Seite, warum die Frevler sich eines dauernden Glückes erfreuen — und daher die gedankenlose Menge zu Frevelthaten erinuthigen. Es ist ein Thema, daß auch mehrere Psalmen behandelt. Im Buche Hiob wird keinesweges eine theoretische, vielmehr eine concrete tief ins Volksleben eingreifende Frage erörtert. Hiob dehnt seine individuelle Klage allgemein über den Uebermuth der Machthaber aus, Anfangs nur andeutungsweise, zuletzt wendet er diesem Thema eine ganze Rede zu (Kapp. 22, 24). Es ist daher ganz in der Ordnung, daß die drei Freunde diesen Erfahrungssatz vom Glücke der Frevler von ihrem Standpunkte aus zu widerlegen suchen, und sie sämmtlich diese Seite ins Auge fassen, Zophar eben so wie Bildad und Eliphas. Zophar hatte aber tiefer als seine Freunde die Ausgleichung der ethischen Dissonanz im nienschlichen, richtiger im geschichtlichen iieben erfaßt. Es gebe nach ihm eine höhere Weisheit, welche die Geschicke der Menschen so leite, daß sie diesen wie ein Räthsel erscheinen. Er hat den fruchtbaren Gedanken von תעלומות חכמה, den ״Geheimnissen der Weisheit" hingeworfen. A priori könnte man fast annehmen, daß Zophar's dritter Dialog von dieser Weisheit ausführlicher handeln müßte, als es in seinen

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