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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 6 · p. Seite 244

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 6
Article
Die Integrität der Kapitel 27 und 28 im Hiob
Date
1872-01-01
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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244 Die Integrität der Kapitel 27 und 28 im Hiob. Offenbarung, welche ihm leise zugeflüstert habe, kein Mensch sei sündenfrei, und nicht einmal die Gott nahestehenden Diener seien fleckenlos (4, 12—19). Er wiederholt denselben Grundgedanken in seinem zweiten Dialog (IS, 14—15). Er macht beidemal die Nutzanwendung, daß die Sünder und Frevler doch am Ende dem Unglücke verfallen. In den ersten beiden Dialogen deutet er nur leise an, daß Hiob ein Sünder sein müsse, eben weil er von solchen Leiden heimgesucht werde. Im letzten Dialog läßt Eliphas jede Rücksicht fallen und sagt es Hiob gerade zu: er sei ein arger Frevler (22, 5—9). Als Aeltester durfte er sich herausnehmen, so verletzend Hiob anzuklagen. Auf sein höheres Alter beruft er sich schon im zweiten Dialog (15, 10), und dadurch glaubt er berechtigt zu seiir, Hiob's Anklagen gegen die göttliche Gerechtigkeit mit aller Strenge zu rügen. Die beiden übrigen Freunde schlagen nieinals einen so herbei: Ton an. Bildad entwickelt in einen: höchst poetischen Gleichnisse (das auch «erkannt wurde), daß der Frevler plötzlich dahingerafft werde, der Fromme aber auch nach herben Schlägen immer wieder obenauf komme. Im zweiten Dialog kommt er auf seinen ersten Gedanken von der Unbeständigkeit des Glückes der Frevler zurück und führt ihn nun weiter aus, weil er ihn in: ersten nur kurz angedeutet hatte und darum ihn energischer betonen zu inüssen glaubte. — Der dritte Dialog Bildad's (Kap. 25) ist zu kurz erhalten, darum läßt sich der Gedankengang nicht verfolgen, obwohl er angedeutet ist. Zophar geht zwar anch von demselben Grundgedanken aus, aber er führt noch ein anderes Argument an: Die Unzulänglichkeit der menschlichen Erkenntniß gegenüber der göttlichen. ״In Wahrheit, wenn Gott nur spräche, Dir zu Liebe seine Lippen öffnen wollte, so würde er Dir die G e he i m n i s s e d e r W e i s h e it künden, daß doppelt sein Nathschluß sei, und daß er Dir von Deinen Sünden noch Manches erlaffen hat. Kannst Du die Tiefe Gottes finden, kannst Du bis zur Grenze des Allspenders gelangen?

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