Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Integrität der Kapitel 27 und 28 im Hiob
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
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242 Die Integrität der Kapitel 21 und 28 im Hiob. Hiob, der sich durchweg gegen die göttliche Gerechtigkeit und die sittliche Weltordnung skeptisch verhält, und eine pessimistische Weltansicht vertritt, soll diese Gerechtigkeit im Kapitel 27 nicht bloß anerkettnen, sondern sie noch dazu betonen! Er soll dieselbe Sprache führen wie seine Freunde, deren Ansicht er früher so hartnäckig widerlegt hat. Wie kann derselbe, welcher Kapitel 20, 7—33 die Freunde im ironischen Tone gefragt hat, ob sie nicht täglich die Frevler gedeihen und im Glücke schwelgen gesehen haben: מרוע רשעים יחיו עתקו גם גברו חיל, זרעם נכון לפניהם וצאצאיהם לעיניהם בתיהם שלום טפחד וגו', wie kann derselbe Kapitel 27 das Zugeständniß machen, daß der Frevler einen uuglücklichen Ausgang findet: זה חלק ארם רשע עם אל ונחלת עריצים משרי יקחו. אם ירבו בניו למו חרב וצאצאיו לא ישבעו לחם וגו'? Man muß durchaus annehmen, daß der Dichter unmöglich Hiob so plump aus der ihm zugetheilten Rolle habe fallen lassen können, oder er ist ein Stümper gewesen, was andererseits nicht zugegeben werden kann. Alles, was die Ausleger zur Lösung dieses schreienden Widerspruches vorgebracht haben, ist eitel Wind. Auch Merx ist an dieser Klippe gescheitert. Er bemerkt darüber Einl. (Seite XXVlII): ״Da er (Hiob) zugleich eine selbstbeivußte Fortdauer nachdem Tode entschieden zurückweist, Capitel 14, und somit den Erweis der göttlichen Gerechtigkeit nicht in eine dunkle Zukunft schieben kann, was die Frage vertagen würde, so muß die Dichtung ziellos im Sande verlaufen oder der Dichter muß sich und seinem Helden die Jnconsequenz aufbürden, dieselbe göttliche Gerechtigkeit, welche vorher geleugnet ist, thatsächlich wieder anzunehmen. Das Letztere thut der Dichter, und so wird es erklärlich, daß derselbe Hiob, der vorher Gott als völlig gleichgültig gegen alle menschlichen Schicksale geschildert hat, im 27. Capitel nun wieder die Gründe darlegt, weshalb er nichtsdestoweniger von jener alten Vergeltungstheorie nicht loskommen kann, die er in seinen Gegnern so heftig bekämpft hat. Man sieht also, er kehrt völlig zurück in die Gedanken der Andern und wenn er