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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 5 · p. Seite 239

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 5
Article
Der Fettmilchische Aufstand in Erfurt 1612-1616
Date
1872-01-01
Page
Seite 239 (sequence 4)
Language
German
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239 Der Fettrnilchische Aufstand in Erfurt 1612—1616. ließen und sie aufforderten, das was sie von! politischen Treiben ihrer Meister wüßten, anzugeben. Die Gesellen wiesen diese Aufforderung zurück, indem sie erklärten, sie wüßten nichts Unrechtes von ihren Meistern zu sagen und würden sich auch nicht dazu hergeben, Verräther zu sein. Alan suchte sie durch Drohung einzuschüchtern, daß sie, wenn sie nicht Folge leisteten, für unehrlich erklärt und ihre Namen an dem Galgen angeschlagen werden würden. Die Gesellen geriethen darüber in Wuth, überhäuften die Subdeligirten mit Scheltworten, drohten sogar, sie zum Fenster hinauszuwerfen oder aufzuknüpfen und hielten mit Hülfe der vor dem Hause stehenden Bürgerwehr sie in diesem fest. Dieser Vorfall hatte unter den Handwerkern die Aufregung auf den höchsten Grad gesteigert, und es ist unerklärlich, daß die Subdeligirten durch ihr Verfahren die Gesellen aufgereitzt und erbittert hatten, ohne Militär bereit gehalten zu haben. Am Nachmittag sammelten sich bewaffnete Schaaren, welche aus Handwerksgefetten und einer kleinen Zahl von Bürgern bestanden und diese zogen zwischon 3—4 Uhr auf die Judengasse, um dieselbe zu plündern. Die Agitatoren des Aufstandes Fettmilch, Gerngroß und Schopp waren ihre Anführen. Die Juden hielten das Hauptthor ihrer Gasse verschlossen und hatten hinter demselben Fässer, Bänke und anderes Geräth aufgehäuft und die anstürmenden Schaaren vermochten nicht das Thor zu sprengen. Eine auf dem benachbarten Walle stehende Kanone wurde gegen die Judengasse gerichtet, die aber nicht zun: Gebrauch kam, weil die Stürmenden sich durch das Einreißen eines aus Fachwerk und Lehn: gebauter: Hauses den Eingang eröffueten. Die wenigen bewaffnet herbeigekommenen Bürger waren nicht vermögend, die wüthige Menge zu zähmen. Ein Kampf entspann sich hierauf zwischen ihr und den schon vorher mit Schwertern und Spießen bewaffneten Juden; das Straßenpflaster wurde aufgerissen und mit Steinen auf die Wüthigen geworfen, während die Mehrzahl ihrer Weiber uub Kinder nach dem entgegengesetzten Ende der Gasse floh und auf dem dortigen Kirchhof eine Zuflucht suchte. Bei den: entbrannten Kampfe gab es auf beiden Seiten Verwundete und 2 Juden und ein Christ verloren das Leben. Kämpfend zogen sich die Juden vor der Ueberzahl ihrer Gegner zurück, und es gelang den Letzteren nicht, weiter als bis etwa zum vierten Haus jenseit der Synagoge vorzudringen; dieselben setzten dann den Angriff nicht länger fort, sie vertheilten sich vielmehr in die Häuser des unbeschützten Theiles der Gasse, um zu plündern. Dies thaten sie bis zur Mitternachts-Stunde, wo der Bürgermeister mit bewaffneten Bürgern erschien und die Plünderer aus der Gasse Hinaustrieb, die nun

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