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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 5 · p. Seite 238

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 5
Article
Der Fettmilchische Aufstand in Erfurt 1612-1616
Date
1872-01-01
Page
Seite 238 (sequence 3)
Language
German
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238 Der Fettmilchische Aufstand iu Erfurt 1612—1616. hätten. Die Erbitterung war daher so groß, das; alle Zünfte bei Strafe des Verlustes der Ehre und des Stubenrechts ihrer: Mitgliedern verboten, der: Juden Fleisch abzukaufen und daß der Bürgerausschuß am 3. Nov. bei der kais. Commission eine Beschwerdeschrist gegen die Juden einreichte, welche 40 gedruckte Seiten urnfaßt und ihnen nicht weniger als 360 Verbrechen vorwirft. Die Juden waren freilich durch ihre Privilegien geschützt und außerdem kam arn 31. December der Befehl des Kaisers an, daß der Rath sammt und sonders die Judenschaft in guter, ersprießlicher Acht haben und allen Juden Zur Bezahlung ihrer Darlehn und der Zinsen dafür verhelfen solle. Damit war allerdings ihr Recht sicher gestellt, nicht aber der bittere Haß beseitigt, der sie in einer revolutionären Zeit fortwährend mit Mißhandlungen bedrohte. Auch jetzt half der Befehl des Kaisers nichts (23. Juli): mit der Abschaffung der Juden emzuhalten und die bereits. vertriebenen, deren etwa 60 waren ohne Anzugsgeld wieder aufzunehmen, der Ausschuß forderte immerfort deren Vertreibung und verlangte im Oktober: es solle den Juden das Gebrauchen christlicher Dienstboten am Sabbath, das Verkaufen des nichtkoscheren Fleisches an Christen und sogar das Spazierengehen verboten werden. Der Nath verstand sich blos zum Verbieten des Spazierengehens, weil die übrigen Forderungen nur durch den Kaiser selbst gewährt werden könnten. Am 9. Nov. fühlten sich die kais. Commissüre gedrungen, wieder ein Warnungsschreiben in Betreff der Juden zu erlassen. Der Haß gegen diese war aber zu groß, als daß der Pöbel sich von Gewaltthätigkeiten abhalten und von seiner Forderung abbringen ließ. Noch im März 1614 machten die damals anwesenden Gesandten der Reichsstatte den Nath auf jenen Umstand aufmerksam und baten dringend, die Judensache mit Vorsicht zu behandeln. Die Juden hatten damals de!: Buchdrucker Joh. Sauer bei den Commissären wegen einer gegen sie gerichteten Schmähschrift verklagt; Sauer behauptete aber, nicht er, sondern ein Oppenheimer Buchdrucker habe diese veröffentlicht und man müsse ihn deshalb durch Bestrafung der Juden in Schutz nehmen. Die Catastrophe kam jedoch erst, als man es am Wenigsten erwartete — als sich der Aufstand schon Zu seinem Ende zu neigen anfing, zum Ausbruch. Am 22. August 1614 zeigte sich Morgens eine große Aufregung. Schaaren von Leuten kamen auf den öffentlichen Plätzen zusammen und es war klar, daß die revolutionäre Partei etwas im Schilde führe. Die Altgesellen aller Handwerke waren gerade an diesem Morgen vor die kais. Subdelegirten geladen worden, welche ihre Namen aufschreiben

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