Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Fettmilchische Aufstand in Erfurt 1612-1616
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 5)
- Language
- German
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240 Der Fettmilchische Aufstand in Erfurt 1612—1616. drei Tage und Nächte besetzt gehalten wurde. Manche Juden hatten sich gleich anfangs, wie die Weiber auf den Friedhof geflüchtet, andere fanden in christlichen Häusern Aufnahme und in dem Vincenz-Lied sagt der Verfasser: ein Herr des Raths, der ein Haus mit großem Garten besessen, habe mehrere hundert Juden unentgeltlich bei sich ausgenommen. Die Wuth des Pöbels war durch die Plünderung der Judengasse noch nicht gestillt. Viele forderten, man solle die Juden aus der Stadt treiben, manche verlangten sogar deren Tödtung. Der Rath war nicht im Stande, die Juden zu schützen, beschloß am 23. August sie sogleich fortbringen Zu lassen. Dies war um so mehr nöthig, da Fettmilch sich früh am Vormittag zu den auf ihren Friedhof geflüchteten Juden begeben und ihnen, im Namen des Bürgerausschusses, den Schutz anfgekündigt hatte. Die Juden nahmen hierauf schleunigst christliche Männer und Weiber in Dienst, um den Rest ihrer Habseligkeiten auf den Friedhof bringen zu lassen. Um ein Uhr Nachmittags wurden sie ans diesem durch das Fischerfeldpförtchen an das Mainufer geführt, daselbst eingeschisst und dann theils auswärts theils abwärts gebracht. Die Mehrzahl wurde Zu Höchst an's Land gesetzt und vertheilten sich von da in die umliegenden Dörfer und wurden überall gut ausgenommen und behandelt. — Nach ihrem Abzug hatte der Pöbel sich auf den Kirchhof begeben und daselbst Hohn und Spott getrieben, so wie den dort weidenden Ochsen בסו״ geschlachtet und dann einem Weinwirth mit der Aufforderung übergeben, jedem seiner Gäste ein Stück vorzusetzen. (Schluß folgt.)