Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 5 · p. Seite 221

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 5
Article
R. Juda ha-Nasi's Antheil an unserer Mischnah
Date
1872-01-01
Page
Seite 221 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829416-2829422-2866508--14106-2866544
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

R. Juda Ha-Nasi' s Antheil an unserer Mischnah. 221 von Geschlecht zu Geschlecht sich sorterbender Gedankenkreis auch dann noch besitzt, wenn seine Grundpfeiler bereits erschüttert sind. Nachdem die Kritik die Ueberzeugung gewonnen hatte, daß Rabbi nicht der einzige Mischnahsammler war, stand ihr eigentlich nichts mehr im Wege, die auf der Hand liegende Consequenz zu ziehen, daß das Anlegen von Mischnahsammlungen überhaupt nicht die Sache Einzelner, sondern sämmtlicher tannaitischen Schulhäupter war. Liegt es ja in der Natur der Sache, in der rnündlichen Fortpflanzung der Halachah, daß jeder selbstständige Tradent, was jedes bedeutende Schulhaupt war, eine eigene Mischnahsammlung hatte. Die Anzahl der Mischnahsammlungen kann, wie schon früher in einigen Worten hervorgehoben, unmöglich geringer als die der Tannaitenschulen gesetzt werden. Das Bilden von Mischnahsammlungen als solches, d. h. als bloßes Factuul, abstrahirt vom Wesen der Samnilungen, hat eben so wenig als die Tannaitenschulen, wie überhaupt Schulen als solche, eine Geschichte. Nur das Wie, die Gestaltung ist Gegenstand der Entwickelung. Und nur in so fern kann man von R. Akiba als dem ersten Mischnahsammler sprechen, als er der erste war, der einen gewissen systematischen Ordnungsplan in die vorhandenen Sammlungen eingeführt hat. Es kann also nur von einen! gewissen Vervollkomnmer oder, in so fern später auch von Anderen nach dieser Seite Verbesserungen eingeführt worden, Veroollkommenern der Halachahsammlungen die Rede sein, nie aber von gewissen Mischnahsammlern; denn dies war jedes Schnlhaupt. Und auch was dieses planmäßige Sammeln betrifft, so wird, nachdem R. Akiba den Anfang damit gemacht, gewiß Jeder, nicht R. Me'lr und Rabbi allein, diesem Beispiele gefolgt sein. Ein wohl noch größerer Mißgriff ist die Aufstellung des Satzes, die Mischnahsammler, mit Ausnahine des letzten, haben die Halachoth mit einer aller Selbstständigkeit sich entäußernden Objektivität verzeichnet. Diesem Satze sowohl als dem eben besprochenen Fehlgriffe liegt folgende Voraussetzung zu Grunde. Man unterscheidet nämlich eine zweifache tannaitische Thätigkeit, eine literarische und schultradirende. Dieser Unterschied ist aber grundlos. Bei mündlicher Tradirung fallen von selbst beide Ueberlieferungsseiten zusammen. Doch wollen wir für einen Augenblick davon

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.