Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 5
- Article
- R. Juda ha-Nasi's Antheil an unserer Mischnah
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 3)
- Language
- German
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220 R. Juda Ha-Nasi's Antheil an unserer Mischnah. lehre aufbewahrt worden wäre. Ihr Inhalt wird wohl einem jeden, wenigstens einer großen Anzahl der Tannaitenjünger l׳ekannt gewesen sein. In dem gedachten Zeitpunkte waren aber schon die Sammlungen vorhanden; die Sammlung R. Akiba's ohne Zweifel, wahrscheinlich auch die R. Me'ir's Denn, da, wie es ans dem Berichte heworgeht, R. Juda damals nicht mehr zu den Lebenden zählte, so kann man mit ziemlicher Sicherheit den Vorgang unseres Berichtes gegen Ende des vierten Geschlechtes setzen. Zu dieser Zeit aber wird R. Mei'r's Sammlung wohl nicht nur vollendet, sondern auch verbreitet gewesen sein. Nun besteht doch aller Grund anzunehmen, daß unsere Halachah in beiden Sammlungen erwähnt waren. Wie ist es nun zu erklären, daß Joseph Hababli sich nicht irr diesen Auskunft suchte? Hier mußte er doch die deutlichste Spur der seiner Zeit allgemein abgewiesenen, aber von R. Elieser vertretenen Entscheidung finden. Mehr suchte er ja und gab ihm R. Elasar ben Schamua nicht. Und war möglicher Weise in der Sammlung R. Mei'r's der Ursprung der individuellen Ansicht nicht angegeben, so war er gewiß ausdrücklich in der Sammlung R. Akiba's aufgezeichnet. Zu den besprochenen Schwierigkeiten gesellt sich im ersten Augenblicke eine mehr äußerlich befremdende Wahrnehmung. Sonderbar erscheint die Art und Weise, wie Joseph Hababli bei seinem jetzigen Lehrer sein Ziel zu erreichen sucht. Wozu die wiederholten lästigen Fragen? Warunr nicht sogleich und unverhüllt den eigentlichen Wunsch zu kennen gegeben? Indessen, dieses befremdende Benehmen ist eine zu jener Zeit gewöhnliche Erscheinung. Sie hat ihren Grund in der ehrfurchtsvollen Scheu der Jünger gegen den Lehrer, zu dem jene nicht nur als einer wissenschaftlich unerreichbaren Höhe, sondern selbst als einem von Gott Begnadigten hinaufsahen. Ein ähnliches Beispiel von zurückhaltender Schüchternheit weiter unten. Mit den Halbdunkelen Vorstellungen, die man bis jetzt von der Mischnahsammlung und der tannaitischen Schulthätigkeit hat, wird man vergeblich die eben auseinandergesetzten Schwierigkeiten zu heben suchen. Die Halachahkritik hat manche Fehlgriffe der Art anfzuweisen, daß sie schlechterdings unbegreiflich wären, kannte man nicht anderweitig die unverwüstliche Kraft, die ein