Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ursprung der zwei Verläumdungen gegen das Judenthum vom Eselskultus und von der Lieblosigkeit gegen Andersgläubige
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 9)
- Language
- German
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Eselskultus und von der Lieblosigkeit gegen Andersgläubige. 201 oder die Gesetze zu widerlegen. Aber der Protest gegen diese von Antiochus Epiphanes zuerst erhobene Anschuldigung gegen die Juden unb ihre Gesetze nützte nichts; sie wurde in den folgenden Generationen wiederholt. Die Absonderung der Juden von Tisch und Bett der Heiden gab, wie gesagt, den Schemgrund dazu. Tacitus wiederholt sie auf Grund derselben abgeschnlackten Beweise: (histor. V, 5): adversus omnes alias hoslile odium, separali epulis, discreti cubilibus. Ein Jahrhundert überlieferte Anklage und Argumention dem Andern; im Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts erhielt sie eine andere Formulirung: die Juden bilden einen Staat im Staate; sie war aber dadurch nicht begründeter. Antiochus Epiphanes hat also zuerst das Judenthum an den Pranger gestellt. Seine Gottesverehrung, die lauterste aus Erden, wurde durch ihn direkt oder indirekt als lächerlicher Wahnwitz, als Eselskultus gebrandmarkt, und seine Gesetze, die in den: Spruch gipfeln: ,,liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst, und Du sollst den Fremdling lieben, denn Du selbst warst Fremdling im Lande Aegypten" — diese Gesetze wurden von ihm mit Bewußtsein als Ausflüsse eingefleischter Misanthropie geschmäht. Indessen diese geflissentliche Verdrehung darf nicht ganz ihm zur Last gelegt werden. Man muß sich eigentlich wundern, woher denn Antiochus die tiefere Kenutniß vom Judenthum hatte, um ein so wegwerfendes Urtheil über dasselbe zu fällen? Es ist wohl zu beachten, daß er in seiner Brandmarkung nicht von der Lebensweise der Juden (aywyrj) spricht, sondern von ihren Ge setzen, die sie Moses, ihr Gesetzgeber, gelehrt hat, d. h. von den! ganzen Inhalt des Pentateuchs. Jene könnte er aus Erfahrung durch die Beobachtung der jüdischen Sitten und Bräuche kennen gelernt haben, diese hingegen konnte er nur kennen, wenn er den Pentateuch theilweise wenigstens gelesen hätte. Aber nicht einmal die Bekanntschaft mit der Lebensweise der Juden zu machen, hatte er