Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ursprung der zwei Verläumdungen gegen das Judenthum vom Eselskultus und von der Lieblosigkeit gegen Andersgläubige
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 8)
- Language
- German
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200 Ursprung der zwei Verläumdungen gegen das Judenthum vom .Diese Anklage, welche einen Scheingrund hat, wurde seit der Zeit der griechischen und römischen Welt wiederholt und erzeugte jenen Nacenhaß, der in Alexandrien urrd Antiochen zu blutigen Gemetzeln. Veranlassung gab, Gemetzeln, welche das Vorspiel für die Wuthausbrüche im christlichen Mittelalter waren. In Judäa selbst wurden zur Zeit der Kämpfe gegen die Nönrer in Folge dieses Racenhasses Ströme von Blut vergossen. Die jüdischen Schriftsteller, welche unter Heiden lebten, hatten vollauf zu thun, dieses grundfalsche Vorurtheil zu widerlegen. Das Buch der Weisheit und das dritte Makkabäerbuch sind gewissermaßeu Proteste gegen diese unwahre und ungerechte Anschuldigung, als wenn die Juden die Genossen anderer Völker als Feinde betrachteten, weil sie sich von deren Tafel ferne hielten. Im Gegentheil, bemerkt das Buch der Weisheit, Gott habe sein Volk belehrt, ״daß der Gerechte menschenfreundlich (cptMvtyomo-v) sein müsse" (12, 19). Der Vers, der apokryphischen Zusätze zum Buche Esther legt dem König Ahasverus oder Arthaxerxes, der von Haman geblendet wurde, Worte von der feindseligsten Stimmung gegen das jüdische Volk in beit Mund, als wenn es durch seine Gesetze feindlich gegen jedes andere Volk wäre (Zusatz II, 4—5). Nach der erfolgten günstigen Umstimmung äußert derselbe König, daß die Jndäer keinesweges Uebelthäter sind, vielmehr von gerechten Gesetzen regiert werden (Zusatz Vl, 14): \I8dacag evQtgxofxsv ov xaxsqysg ovcug, dixatoiamig de no'hrevofxevHc, vofioig). Diese Zusätze sind eben darauf angelegt, das in der griechischen Welt verbreitete Vorurtheil gegen das Judenthum evvoeiv. Dieser Bericht der Rathgeber des Antiochus Sideles ist durchaus als authentisch anzusehen; er ist der älteste, den wir über die Gesinnung und Aeußerung des Antiochus Epiphanes bezüglich der Juden besitzen. Zwischen den von diesem König aufgelegten Religionszwang und der Belagerung Jerusalems durch A. Sidetes lagen etwa drei Jahrzehnde, die Freunde des Letztem reserirten also aus frischer Erinnerung, was sie aus der Zeit des Erstern wußten.