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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 5 · p. Seite 197

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 5
Article
Ursprung der zwei Verläumdungen gegen das Judenthum vom Eselskultus und von der Lieblosigkeit gegen Andersgläubige
Date
1872-01-01
Page
Seite 197 (sequence 5)
Language
German
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Eselskultus und von der Lieblosigkeit gegen Andersgläubige. 197 169 d. chr. Z. in den Tempel zu Jerusalem hineinging, war er noch nicht an Tempelraub und Tempelschändung gewohnt; es war sein erster Versuch. Mit Zittern mag er daher das Allerheiligste in Jerusalem betreten haben, und seine aufgeregte Phantaste mag ihue einen einfachen Stein als Menschenbild vorgespiegelt haben. Dieser Stein lag, wie die Mischnah angiebt,׳ auf dem Boden. Er muß also eine Unterlage, einem Unterstein gehabt haben. Ein Unterstein oder ein Träger^ heißt im Griechischen auch ovo? Esel. Und so kann Antiochus seinen Freunden harmlos erzählt haben, er habe im Adpton zu Jerusalent einen Stein in Menschengestalt mit einenl langen Barte gefunden, welcher auf einer Unterlage (s7r ovg) war. Möglich auch, daß eine Gesetzrolle (min ספר) damals auf diesem Stein lag, zufällig oder absichtlich hingelegt. Auf diese Weise kann die Wahrnehmung des Antiochus zum großen Theil auf Wahrheit beruhen. Aber selbst zugegeben, daß er gelogen und in verläumderischer Weise erzählt hat, er habe in Adyton eine Menschenbild auf einem Esel wahrgenommen, so legte er keinesweges Gewicht auf den Esel, sondern auf das Menschenbild, da er hinzufügte: er habe dieses Bild für Mose, den Gesetzgeber der Juden gehalten (ime?.aßc Mcocrecoc eivat). In späterer Zeit deuteten die Griechen, vielleicht Posidonius und Apollonius Molon *) mit besonderem Gewicht auf den Esel hin, und durch diese kam der boshafte Apion auf die Entstellung, daß Antiochus einen Eselskopf im Tempel bemerkt habe, dem die Juden einen Cultus geweiht hätten. Tacitus und Plutarch haben diese Bemerkung von! Eselskultus der Juden wahrscheinlich aus Apions Schrift entlehnt, und ihn in Verbindüng mit den von Manetho und andern pseudepigraphischen Historikern erzählten Erfindungen von dem Ursprung der Juden in י) Jossphus contra Apionem II, 2. Posidonius et Appollonius Molonis de ternplo nostro blasphemias componenentes incongruas.

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