Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ursprung der zwei Verläumdungen gegen das Judenthum vom Eselskultus und von der Lieblosigkeit gegen Andersgläubige
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
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Eselskultus und von der Lieblosigkeit gegen Andersgläubige. 195 das nur dem Hohenpriester zugänglich war, das steinerne Bild eines Mannes mit langem Barte gesehen; dieses Bild habe auf einem Esel gestanden und mit den Händen ein Buch gehalten. Er, Antiochus, habe angenommen, daß das Bild Mose vorstelle, den Gründer des judäschen Volkes.*) Das klingt ganz anders, ja es kann dieser Relation etwas Thatsächliches zu Grunde liegen, das der von Judenhaß erfüllte syrische König nur entstellt hat. Antiochus bemerkte im Allerheiligsten (sv dSthw) ein steinernes Bild. Darin muß etwas Wahres liegen, und es ist auch nicht schwer zu finden, was er wahrgenommen haben kann. Im ersten Tempel war im Heiligsten die Bundeslade mit den zwei steinernen Tafeln des Dekaloges, bedeckt von den Cherubin. Diese Bundeslade mit den Tafeln ist bei der Zerstörung des Tempels durch Nebusaradan verschwunden. Das war natürlich der schmerzlichste Verlust. Denn die steinernen Tafeln waren die einzigen lleberbleibsel aus der uralten Zeit, und die Zeugnisse der Offenbarung. Man konnte sich daher nicht denken, daß dieses wichtigste Denkmal untergegangen sein soll. Die Sage behauptete daher, die Bundeslade sei an Ort und Stelle vergraben worden, oder Jeremia habe sie auf dem Berge Sinai verborgen oder sie sei mit den Exulanten nach Babylon gewandert.*) Jnr zweiterr Tempel fehlte also eigentlich der geistige Mittelpunkt desselben, der Dekalog, für welchen die Bundeslade mit den Cherubim, das Allerheiligste, das Heiligthum und die Vorhöfe, kurz der ganze Tempel gewisserniaßen nur Hüllen waren. Seru- ') Diodor Eklogae 34: ’Avnoyog yaQ . . . xaranoXsiJi^ifa^ tovg* IovSmag, siorjXi)ev sig ro äSvrov tS lles orjxov, ob vöfxtpov slgüvai fiovov zov teQect. evQmv Sh sv avrm XCi)1vov dyccXpct avSqdg ßa & vn my co vo g, x aü'q psvo v s jims? ovov, justä %si(tug t'yov ßißXCov rszo /ihv vnh Xaße Mmcrecog sovac x.t.X, ־) II. Makkabüerbnch 2, 5 fg. Tosifta Sch ekalim II, Sota XIII; jerus. Schekaiim VI p. 43 c; Babli 3,0111a p• 53 b. 13*