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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 4 · p. Seite 190

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 4
Article
Kritische Beleuchtung einer Stelle vom Pupurstreufen am Versöhnungstage
Date
1872-01-01
Page
Seite 190 (sequence 5)
Language
German
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190 Notiz. wurde. Daß sie nicht immer erfolgte, giebt die Boraita zu. Tenn eben weil sie nicht immer eintraf, hat man ihn dem Blicke der Menge entzogen. Vergl. auch Joma p. 39 a: לשון של והורית פעמים מלבין פעמים אינו מלבין. Es ist jedenfalls interessant zu missen, wer die letzte Verord- .nung getroffen hat, den Purpurstreifen dem Blicke zu entziehen. Ein Amora, R' Nachman b. Isaak tradirt, daß es R' Jochanan b. Sakka'i gewesen sei (Rasch Ha-Schana a. a. O.): ר׳ נחמן בר יצחק אמר לשון של והורית (התקין ר׳ יוחנן בן ובאי שיהו קושרין אוחו על סלע). Trotz der chronologischen Einwendungen, welche der Talmud das. dagegen macht, ist diese Angabe doch richtig. Denn Joma p. 391> heißt es: ארבעים שנה קודם חורבן הבית . . לא היה והיו רלחוח נפתחות מאליהן ער שגער.לשון של והורית מלבין בהן ר׳ יוחנן בן זכאי. So gut wie R' Jochanan b. Sakka'i mit dem Umstand von den sich von selbst öffnenden Tempelthoren in Verbindung gesetzt wird, eben so steht er in Beziehung zur Verordnung bezüglich des Purpurstreifens. Man darf nur nicht die 40״ Jahre vor der Tempelzerstörung" strikte nehmen. Es lvill weiter nichts sagen, als: in den letzten Jahren des Tempelbestandes. R' Jochanan b. Sakka'i war es demnach, der die Gewohnheit unterdrückte, an den Fenstern ein Stück Purpur zu befestigen, um zu sehen, ob die gnadenvolle Versöhnung sich thatsächlich bewähren würde, und zu verzweifeln, wenn das sichtbare Zeichen ausbliebe. Er war es auch, der dieses Zeichen sogar von der Tempelpforte entfernen ließ. Vergegenwärtigt man sich die Lage und die Stimmung dieser Zeih, vom Tode Agrippa's l. bis zum Ausbruch der Revolution (44—66), so wird man diese von R' Jochanan ausgegangene Maßregel nicht kleinlich finden; sie reiht sich denen an, welche er sonst getroffen hat. Die Römer herrschten in Judäa, oder richtiger die Procuratoren tyrannisirten das Land, der unerträgliche Druck erzeugte die wilden Leidenschaften der Faktionen. Die Vornehmen schmiegten sich den Römern an und ahmteu ihre Thorh eiten und Laster nach, während die Sicarier von Haß gegen die Römlinge erglüht, Meuchelmorde an denselben begingen. Unzucht und Mord häuften sich so sehr, daß R' Jochanan b. Sakka'i bekanntlich die Gesetze, welche darauf Bezug hatten, aufhob. Zeichen und Wunder zeigten sich in Jerusalem

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