Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Kritische Beleuchtung einer Stelle vom Pupurstreufen am Versöhnungstage
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 4)
- Language
- German
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189 Notiz. Gnade verlustig wähnte, so entzog die religiöse Behörde dieses Zeichen ganz und gar, auch vom Tempel, uni es lediglich an den: Felsen, von welchen: der Süudenbock gestürzt zu werden pflegte, anzubrin.gen. Man vergleiche damit die Fassung der Boraita im babylon. Talmud. (Joma p. 67 s parallel., Rosch ha-Schana p. 31b). Alan erkennt, daß sie dasselbe referirt, nnd doch klingt es anders: בראשונה היו קושרין לשון של זהורית על פתח האולם מבחוץ, הלבין היו שמחין לא הלבין היו עצבין ומחבושין, התקינו שיחו קושרין על פתח העולם שבפנים ועדין היו מציצין ורואין- הלבין היו שמחין לא הלבין היו עצבין התקינו שיהין קושרין חציו בסלע וחציו בין קרניו. In dieser Fasfimg kann die Boraita reicht richtig sein. Man soll zuerst den Purpurstreifeil an die innere Vorhalle draußen, und dann drinnen angebunden haben. Aber dann konnte er nur Wenigen sichtbar sein. Denn 3 Vorhöfe trennten die auf dem Tempelberge weilenden von der Vorhalle. Und dann erst innerhalb derselben! dahin kamen selbst Priester selten. Außerdem spricht ja N' Jsmael selbst lediglich vor! der Pforte des Tempels (פתח החיבל), und keineswegeu von פתה האולם. Mai: muß also diese Boraita für ungenau in der Relation erklären oder Emendationen vornehmen, etwa statt פתה האולם zu lesen ״ ,פתח החלוןan der Oeffnung des Fensters". Dann wäre auch der Zusammenhang passender. Wenn die Farbenwandelung sich an den draußen angebrachten Pnrpurstreifen :sicht zeigte, so wäre!: die davon Betroffenen zugleich betrübt und beschämt (עצבין ומחבישין), Als man ihn aber innerhalb anbrachte, so waren dieselben nur betrübt; denn nur sie selbst, und nicht Frenrde konnten es wahrnehmen. Dann würde in dieser Boraita der Passus fehlen: התקינו שיחו קושרין אוחו על פחח ההיבל. Der Schluß ist jedenfalls der: die neue Verordnung hat nicht erst angeordnet, daß man den Purpurstreifen an den Kopf oder zwischen die Hörner des Ziegenbockes binde; das war uralter Brauch, sondern sie betraf lediglich das Anknüpfen an den Felsen, damit der Bote, welcher den Sündenbock herunter geschleudert hatte, sich von der etwaigen Farbenwandelung von roth in weiß überzeugen, und dann davon freudige Botschaft bringen könne. Jedenfalls folgt aus diesen Citaten, daß die Farbenwandelung des Purpurstreifens von dem Volke wirklich erwartet