Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Kritische Beleuchtung einer Stelle vom Pupurstreufen am Versöhnungstage
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 6)
- Language
- German
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191 Notiz. noch vor der Zerstörung und der Revolution. Unter Anderen, wie Josephus mit dem Talmud übereinstimmend erzählt, öffnete sich einst das große, schwere östliche Erzthor des Tempels, das stets von zwanzig Personen geschlossen werden mußte, in einer Nacht von selbst (jüd. Krieg VI. 5, 3). Priester wollten in der Nacht eine Sinn me aus dein Innern des Tempels vernomnlen haben: ״Ziehen wir von dannen!" ״f.ieraßcd'vvivrfv9tv"l Diese und andere Zeichen, welche erzählt und geglaubt wurden, hotten eine verschiedene Wirkung auf die Menge, die Einen sahen sie als günstig, die Anderen als höchst ungünstig für den Ausgang des Kampfes an, der lange vor dem Ausbruche in der Luft schwebte. Das Volk war Zeichen- und Wundersüchtig geworden; vröglich, daß die Römer es auch damit angesteckt hat- ' ten. Am Versöhnungstage blickte daher die Menge mit krampf- Hafter Spannung auf den Purpurstreifen, um zu sehen, ob er weiß werde oder nicht, um dadurch die Ueberzeugnng zu gewinnen, ob das Volk Israel noch der göttlichen Gnade theilhaftig werde oder nicht. Das Unterbleiben der Farbenwandelung hat natürlich Entmuthigung und Verzweiflung in den Gemüthern hervorgerufen. Darum ließ R' Jochanan b. Sakkai' dieses Zeichen sogar von der Tempelpforte entfernen.