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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 4 · p. Seite 187

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 4
Article
Kritische Beleuchtung einer Stelle vom Pupurstreufen am Versöhnungstage
Date
1872-01-01
Page
Seite 187 (sequence 2)
Language
German
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1.87 Notiz. pretation zu der Rubrik ״Jrrthümer im Talmud" (שגגות תלפזור, Chaluz II., p. 59 fg). Er meint, der Wortsinu involvire gar nicht etwas Wunderbares, sondern nicht nur der Talmud, sondern auch die dabei citirte B o r a i t a hatten den Sinn mißverstanden. Er entkleidet nämlich den Vorgang jedes Wunders und denkt sich ihn folgendermaßen: man habe eine eigene Vorrichtung getroffen, an den Kopf oder zwischen die Hörner des Bockes den Anfang eines sehr langen Fadens oder einer langen Schnur *) zu knüpfen, der um eine Winde gewunden war. Die Schnur sei an einem Ende roth, und etwa von der Mitte an weiß gewesen. Diese Schnur habe natürlich der Sündenbock mit seinem Kopfe nach sich gezogen, und von der Winde allmählig abgerollt. So wie derselbe in der Wüste anlangte, habe sich im Tempel an dem Rade oder an der Rolle das weiße Ende gezeigt, und dadurch habe man hier gewußt, daß der Sündenbock die Wüste berührt habe. Das sei Alles sehr natürlich und mechanisch zugegangen! Nicht um das Wunder des Farbeuwechfels am Versöhnungstage zu retten, sondern um die irrige Auslegung Krochmal's zu widerlegen, soll hier der Punkt beleuchtet werden; dabei wird sich wieder Herausstellen, wie nothwendig eine kritische Be- Handlung der Boraitot sei. Herr Krochmal scheint sich nicht klar gemacht zu haben, daß bei dem von ihm gedeuteten Verfahren eine Schnur von ein und einer halben Meile Länge nothwendig gewesen wäre, auch wenn sie nur bis zum Anfang der Wüste, bis zu כית החרו, bis Herodium gereicht haben sollte. Ferner, wäre es nicht einer frommen Escamotage auf ein Haar ähnlich gewesen, dem Volke weiß zu machen, daß das rothe Purpur-Symbol der Sünde weiß geworden fei"? Denn Herr Krochmal kann nicht leugnen, daß es so vom Volke angesehen wurde. Warum haben die Führer des Volkes eine solche fronime List genährt, daß gerade die Farben roth uud weiß gewählt worden seien? Endlich hört es sich komisch an, die Boraitoh habe die Misch nah mißverstanden! Boraitho's sind öfter älter als die Mischnah, ') Irrig wird hierbei לשון של זהורית mit חופו wiedergegeben. לשון bedeutet ״Stre iseu" oder ״Band" 'חולק לשון של ז bedeutet: ״den Streifen der Länge nach theilen."

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