Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Über Beurtheilung von Zweck und Absicht bei Übertretung religiöser Verbote nach dem Talmud
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 4)
- Language
- German
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158 Ueber Veranlassung von Zweck und Absicht bei Uebertretung Ar., Orach CH arm 316, § 3 verweisen. Der dortige דין hat R. Baruch b. Isaak, Verfasser des Ternmoth zum Autor. Dieser, ein Schüler des R. Isaak b. Samuel, nach welchem נעל ביתו וצבי בתוכו ein פסיק רישיה ist — wie der Erklärer in Joseph Karo zu Maimonides I. — folgert in seiner Scrupulosität, die wir nicht tadeln, שאסר לנעול בשבת התכה שיש בה ובוכים. Aber schon N. Jakob b. Ascher in Tur, den auch R. Salomon Lurja a. a. O. anführt, sagt שאין לדקדק und widerlegt R. Baruch auch vom Standpunkte des R. Isaak b. Samuel (vergleiche David b. Salomon Halevi Ture Sahab das. 3). R. Joseph Karo läßt auch diesen דין aus, aber R. Moses Jsserls nimmt ihn wieder auf, und R. Joel Sirkes schreibt וראויה להתמיד und R. Abraham Abele fügt hinzu ובן עיקר. Nun wissen wir aus Mischna, Talmud, Babli und Jeruschalmi, nach Maimonides und R. Tam, Ben Adereth u. A., daß נעל ביתו וצבי בתוכו, wenn die Absicht der צידה nicht vorhanden ist, מותר ist, wie sollte nun der oben angegebene Fall, den der unmittelbare Wahrheitssinn für bedeutungslos erklärt, verboten sein? — Es ist nun erfreulich wahrzunehmen, daß an Stelle dieses Pilpul über winzige Gegenstände, wie wir ihn bei den vielen Erklärern des Schulchan Aruch finden, die großen Rabbinen am Ende des vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts R. Mardochai Benet und R. Akiba Eger zur Quellenforschung zurückkehren und . selbstständige Ideen über unser Thema aufstellen. Letzterer hat in seinem Mischnacommentar wuchtige Fragen gegen die lang betretene Auffassung unserer Begriffe aufgeworfen, die meist mit צ׳יע schließen. In diesen Fragen liegen bedeutende Winke zur klaren Auffassung der Mischna, und es ist ein Vorzug, daß er es verschmähte, Antworten seinen Fragen beizufügen. Es ergiebt sich dann unmittelbar der verschiedene Standpunkt der Mischna vom Talmud und dieses von den Tossasisten. — Ersterer hat in seinem angeführten Werke die inneren Widersprüche, die sich aus der tossafistischen Auffassung dieser Begriffe ergeben, mit staunenswerther Klarheit aufgezeigt, die Verhältnisse der genannten Begriffe zu einander untersucht, den Begriff der Handlung in alle seine Nuancen getheilt, und wenn er auch sich bestrebt, alle Fragen zu beantworten, so haben sie den Vorzug, daß sie meist im Jdeengang desselben Autors verbleiben, ohne die eines anderen