Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Prophet Jeremia in Rama
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
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Der Porphet Jeremia in Rama. 69 Lohn für dein Thun; sie kehren ans dem Lande des Feindes zurück, und es giebt eine Hoffnung für deine Nachkommen, die Kinder kehren in ihr Gebiet zurück" (31, 14—16). . . . Das Folgende bis zum Schluß setzt unstreitig die Gebrochenheit des judäischen Staates voraus. ״Die Stadt wird erbaut sein vom Thurn! Chananel bis zum Citadellenthor . . . sie wird nimmer mehr verlassen und zerstört werden" (31, 37-—39). Dieses lange Stück gehört also unstreitig der Zeit an, als der Prophet in Rama weilte. Es fragt sich indeß: Hat er diese Rede gesprochen oder nur ausgezeichnet? Trug er noch die Fesseln oder waren sie ihm bereits von Nebusaradan gelöst?. Die letzte Frage ist durch die Formnlirung schon beantwortet. Ein Gefangener, an dem die ehernen Ketten klirren, und flögen seine Ideale noch so hoch, kann unmöglich solche Trostgedanken hegen, und noch weniger sie niederschreiben oder gar aussprechen. Jerenria muß also bereits frei gewesen sein, als dieses Trostkapitel ihm entströmte. Damit ist zum Theil auch die erste Frage beantwortet. Eine Trostprophezeiung für ganz Israel, daß es wieder bessere Tage erleben werde, kann unmöglich ein nur in den Wind gesprochener Monolog sein, lleberhanpt ist es verkehrt anzunehmen, daß dieser Prophet oder jeder Andere Prophezeiungen niedergeschrieben habe, die nicht öffentlich gesprachen wurden. Wir müssen noch einmal auf den effektvollen Ausdruck zurückkommen: ״Eine Stimme wird in Rama vernommen! " Er spricht zu sehr für die Unmittelbarkeit der Empfindüng. Man hörte ein leises, wehmüthiges Winseln in Rama, wie von einem unsichtbaren Wesen. Man hört es in stiller Nacht, und die Anwesenden fühlen sich davon bis in ihr tiefstes Innere durchschauert. Was mag das sein? Ihr hörtet, spricht der Prophet, ein Klagen und Wimmern in Rama und wisset nicht, ums es zu bedeuten hat? Rahel ist es, welche um ihre verlorenen Kinder weint. Man hört ihre klagende Stimme aus ihrem Grabe. Noch tiefer versteht man dieses prophetische Stück, wenn man hinzuzieht, daß es zugleich die Gewißheit ausspricht, auch die zehn Stämme oder Ephraim, d. h. der Stamm Joseph als Repräsentant derselben, werden aus dem Exile zurückkehren und Zion als Gottesstätte anerkennen (30, 3; 31, 8; 17—19; 26 fg.). Aber wie unmöglich erschien diese Erwarttrng in