Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Söhne des Tobias, die Hellenisten und der Spruchdichter Sirach
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829416-2829419-2866353--13948-2866370- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
54 Die Söhne des Tobias, die Hellenisten und der Spruchdichter Sirach. erotische Poesie gekannt haben muß, nicht überzeugen sollte. Wir werden später einen hebräischen Schriftsteller aus dieser Zeit kennen lernen, aus dessen Angabeit mit Entschiedenheit hervorgeht, daß nicht nur griechische Sitten und Unsitten in Judäa eingebürgert, sondern auch die griechische Philosophie rurd die griechische Skepsis daselbst bekannt ivaren. Nach dieser Voraussetzung lassen wir die Thatsachen sprechen, welche Josephus uns von dieser Vorgeschichte überliefert hat. Der Stenerpüchter Joseph, nach zwei und zwanzigjähriger Steuerpacht, womit Machtbefngniß verbunden war, hinterließ nach seinem Tode mehrere legitime Söhne und einen Sohn, der halb und halb als Bastard angesehen wurde. Diesen hatte er nämlich in sträflicher Umarmung gezeugt, im Wahne, daß ihm die Tänzerin, in die er sich verliebt hatte, zugeführt worden sei, während sein Bruder, auf dessen Ehre bedacht, ihm die eigene Tochter preisgegeben hatte. Dieser SohnHyrkanos übertraf seine legitinien Brüder an Einsicht, Schlauheit, Prachtliebe und Verschwendungssucht. Vom Vater jung an den alexandrinischeu Hof gesandt, wurde er durch diese Eigenschaften der Liebling desselben. Um so mehr haßten ihn die Brüder, weil er sie in den Schatten gestellt hatte. Wie Josephus erzählt, hatten ihm die Brüder schon beim Leben des Vaters aufgelauert, um ihn bei Seite zu schaffen, ihm aber war es gelungen, ihren An- Hang zu zerstreuen und zwei Brüder zu tödten. Es entstand also innerhalb der mächtigsten und angesehensten Familie Jerusalems ein tiefer Haß. Dieser Bruderhaß bildet einen wichtigen Factor in dieser Vorgeschichte; es entstanden daraus Factionshader und Umkehr der ganzen Ordnung. Der Ausgangspunkt dafür bildet die Nachricht bei Josephus, die einen tiefen Einblick in die innere Gährung gewährt: ״Als Joseph gestorben war, gerieth das Volk wegen seiner Söhne in Aufruhr. Denn die älteren Brüder führten gegen den Jüngern, Hprkanos, Krieg, und das Volk ging in Parteiung auseinander. Die Meisten standen den Aelteren bei und auch der Hohe-