Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 12 · p. Seite 544

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 12
Article
Über Beurtheilung von Zweck und Absicht bei Übertretung religiöser Verbote nach dem Talmud
Date
1871-01-01
Page
Seite 544 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829402-2829415-2866296--13862-2866337
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

544 lieber Beurtheilung von Zweck und Absicht bei Uebertretung thätigkeit unserer großen Männer Herangehen, so müssen wir, anstatt zu verurtheilen, uns liebevoll in das vorhandene Material versenken und nach Erklärungsgründen für diese Erscheinung forschen. Wenn wir uns vergegenwärtigen, wie weit auseinandergehend über jede Frage die Ansichten der Menschen sind, wenn wir die Vieldeutigkeit des geschriebenen Wortes berücksichtigen, das nicht selten die entgegengesetzte Auffassung zuläßt, wenn wir aber vor Allem die Eigenthümlichkeit der Fortbildung des talmudischen Gesetzes in's Stuge fassen, daß nämlich jede neue Norm seine Autorität aus der alten Halacha herleiten mußte, so werden wir das Streben, das sich schon im Talmud zeigt, widersprechende Meinungen auszugleichen, die eigene Meinung in die alte Nornr hinein zu interpretiren, nicht allzuauffallend sinden. Der gute Glaube und der Ernst, mit dem die Ausleger an die Erklärung der Mischna und die Später», an die Aussprüche der früheren Autoren herangingen, schützt sie vor dem Vorwurfe, den man oft mit Geistesspiel bezeichnete. Nur durch diese Methode war es möglich, ohne die Autorität der alten Gesetze anzutasten, dennoch über sie hinauszugehen. Deshalb galt es geradezu als verdienstvolle Pflicht, die Controversen durch Ausgleichung auf ein Minimum zu beschränken, sogar offene Widersprüche zwischeu Jeruschalnn und Babli zu ebnend) Und wer kann läugneu, daß dieses Einigungsstreben, wie es im Leben als Grundsatz galt, auch in der Halacha von unberechenbaren! Vortheile war? Wenn wir sonach die eigene Methode des Talmudstudiums im Großen und Ganzen betrachtet, als eine historische Nothwendigkeit anerkennen, ja vor der gewaltigen Geistesarbeit und dem ernsten Streben alle Achtung haben müssen — besteht doch, wie die wahre Befriedigung so auch die Werthschätzung des geistigen Schaffens in den! Streben nach Wahrheit — so können wir doch diese Methode nicht weiter forterben lassen. Wir haben durch die Resultate auf den Gebieten anderer Wissenschaf- כל טצדקי דאפשר לן לטעבד דלא לשווי פלוגת» בין הגט׳ דילן לירושלמי(י (10 ,121 11 יר סלאבי) עבדינן.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.