Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Beiträge zur Wort- und Sacherklärung der Mischnah
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 537 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Rashi 1× ep/1002670
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Beiträge zur Wort- und Sacherklärung der Mischnah. 537 Wachsamkeit der römischen Kerkermeister, den Bescheid auf die Anfrage von dem eingekerkerten Lehrer erlangt hat. Aus dieser Parallele hat wohl Raschi seine Erklärung entnommen, daß das Gesetz von R'Akiba stamme, während dieser im Kerker war. Der Vorfall ist also zur hadrianischen Verfolgungszeit vorgekommen. Es hatte Jemand zu Dreien gesprochen, seiner Frau den Scheide- Brief zu geben, ohne Zeit dazu zu haben, es näher zu bestimmen, ob sie es selbst thun, oder Anderen dazu den Auftrag ertheilen sollen. Es muß also in großer Hast geschehen sein. Natürlich! Einen Scheidebrief ausstellen war damals ein Capitalverbrechen. Wer also in der Nothlage war, es thun zu müssen, tun feilte Frau als Wittwe nicht Peinlichkeiten auszusetzen, durfte nicht recht niit der Sprache heraus, sondern mußte gewissermaßen nur Winke geben oder lakonisch sprechen. Daher die so seltsam klingendeit Halacha's. Sie sind nicht von der Casuistik ausgeklügelt, sondern aus denr Kampfe des Lebens gegriffen. Der brachylogische Charakter des Mischnah-Styles erfordert öfter eine Erklärung, die nicht auf der Hand liegt, und dadurch erhalten duttkele Partien unerwartet ein Helles Licht. Der Anfang des Traktats, welcher sich mit denr Gerichtswesen, den Synhedrien ttnd dem Strafverfahreir beschäftigt, ist durchaus dunkel und ist auch den amoräischen Auslegern ausgefallen: דיני ממונות כשלשה, מילות וחבלות כשלשה• Der babylonische Talmud wirft die Frage auf, wozu diese zwei Kategorien getrennt aufgeführt werden, da doch im Grunde Raub und Verletzung ebenfalls Geldangelegenheiten sind und unter einer Rubrik sübsummirt werdeit sollten? (Synhedrin Ans.): אטו גדלות וחבלות לאו רעי ממונות מנהו? Diese Frage wird daselbst vielfach ventilirt. Der jerusalemische Talmud wirft eine andere Frage auf: wozu Raub neben Verletzung aufführen, da sie doch im Grunde nach denselbeir Gesetzen beurtheilt tverden? לא הן גדלות הן הכלות? Wie es scheint, fehlt im Texte die Airtwort. Offenbar liegt die Schwierigkeit in der Kategorie מילות. Bedeutet das Wort einfach ״Raub", dann ist die Frage berechtigt, daß eine besondere Kategorie dafür überflüssig ist. Man muß also für dieses Wort die richtige Bedeutung suchen. Nun bietet sich zur Erklärung eure andere Mischnah, die