Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Beiträge zur Wort- und Sacherklärung der Mischnah
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 535 (sequence 6)
- Language
- German
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Beiträge zur Wort- und Sacherklärung der Mischnah. S3S Denn nach dem Wortsinne des biblischen Gesetzes, deir der Talmud bei der Ehescheidung sonst skrupulös zu urgiren pflegt, müßte der Ehemann selbst seiner Ehefrau den Scheidebrief in die Hand geben: ן בירה™. Allein, da ein solches Verfahren einige Zeit erforderte, bis der Ehemann oder sein Mandatar das Schriftstück der Ehefrau einhändigen konnte, besonders wenn beide sich nicht im selben Orte befanden, und während dieser Zeit der Akt durch die römischen Spione oder Angeber verrathen werden und Gefahr bringen konnte, so wurde ein kürzeres Verfahren zum Gesetze erhoben. Der Scheidebrief wird in wenigen Minuten geschrieben, der Mandatar der Frau ist bereit, sofort von dem Ehemanne das eben fertig gewordene Schriftstück zu empfangen, es wird sofort zerrissen, und jede Spur eines Gefahr bringenden Aktes ist vertilgt. So scheint der Ursprung des Gesetzes vom שליח קבלה erklärt werden zu können. Denn schwerlich kann die Deutung ans der Schrift, daß die Frau einen Mandatar zum Empfang ihres Scheibebriefes bestellen dürfe (ושלחה מלמד שהיא עושה שליח, Kidduschin p. 41a) mehr als eine Accomodation des faktischen Gesetzes an das Schriftwort (אממכחא) sein. Im Zusammenhänge mit diesem Gesetze von der Ermächtignrrg der Frau, einen Mandatar zur Empfangnahme des Scheidebriefes zu stellen, das, wie sich gezeigt hat, zur Zeit der hadrianischen Verfolgung eingeführt wurde, stehen einige andere in demselben Abschnitt, wenn man die Zwischenglieder als Detail ausscheidet. Auch diese können in derselben Zeit ihren Ursprung haben. Dahin gehört dis Halacha: בראשונה היו אומרים היוצא קולר .בקולר ואמר כתבו גם לאשתי הרי אלו יכתבו ויחנו, das auch im Syrischen vorkommt, ist das lateinische oollsre, ״Halsfessel", welche den Sklaven als Strafe aufgelegt wurde. Im Neuhebräischen bedeutet יצא בקולר geradezu zum Schaffst gehen oder abgeführt oder von der Regierung zum Tode verurtheilt werden, wie es Raschi z. St. richtig erklärte יוצא בקולר mit ליהרג למלבות- Diese Ausdrucksweise kann eben nur in der hadrianischen Zeit entstanden sein. Damals war die Erbitterung des Kaisers gegen die Juden so groß, daß er die von ihnen geführten Revolutions- oder Freiheitskriege geradezu als Rebellion von Sklaven gegen ihren Herrn betrachtete. Er ließ daher die Gefangenen und Renitenten als Sklaven mit dem Halseisen