Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der geschichtliche Hintergrund des hundert und neunzehnten Psalmes
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 528 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829402-2829415-2866294--13843-2866321- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
528 Der geschichtliche Hintergrund vielmehr einige Jahre zwischen der Flucht und dem Tempelbau verstrichen sein. Man muß daher annehmen, daß Josephus im jüdischen Kriege den Vorgang richtiger gegeben hat. Als Antiochos Epiphanes anfing, die Juden zu knechten, ihnen den Hellenismus aufzuzwingen, und den Abtrünnigen die Hohenpriesterwürde ertheilte, entfloh Onias nach Aegypten aus Furcht, dem Tode geweiht zu werden, da sein Vater ein Gegner der Tobiaden und der Hellenisten und durch ihre Hand umgekommen war. Seine Flucht ist daher um 171—70 anzusetzen. In Alexandrien war er jung angekommen, wie schon angegeben. Während der Zeit fielen in Judäa die traurigen Scenen der Vergewaltigung und des Abfalls vor. Als der schliminste der Hellenisten, der apostatische Menelaos umgekommen war (um 102) mochte Onias, der inzwischen älter geworden war, erwarten, er werde zur Uebernahme der Hohenpriester nach Jerusalem zurückberufen werden, zumal er der einzige Sprößling des Aaronidischen Hohenpriester-Stammes war. Aber er sah sich getäuscht. Der König Demetrius bekleidete einen gewöhnlichen Priester Alkimos mit dieser Würde. Das war bis zu dieser Zeit ein unerhörtes Faktum; erst seit der Makkabäerzeit gewöhnte man sich daran. Aber Anfangs mußte es Demjenigen, der zunächst davon betroffen war, wie eine neue Entweihung und Schändung der Heiligthümer Vorkommen. Ein Mann, der nicht vom hohen priesterlichen Geschlechts ist, soll Hohenpriester sein! Und die Versammlung der Schriftgelehrten und die Assidäer (avvaywyi! y^afifiatimv aal 01 ,AcnSuiot,, I. Makkab. 7, 12—13) acceptiren einen solchen Hohenpriester! Dann ist die ganze heilige Ordnung umgekehrt, dann kann auch ein denr Gott Israels geweihter Tempel in Aegypten aufgerichtet werden. Diese pragmatische Verbindung der Thatsachen, wie sie Josephus ahnen läßt, ist so weit richtig, bis auf den Punkt, daß er die beiden Momente, Onias' Flucht aus Palästina und den Ban des Oniastempels, in einen allzuengen zeitlichen und ursächlichen Zusammenhang bringt.