Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der geschichtliche Hintergrund des hundert und neunzehnten Psalmes
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 522 (sequence 10)
- Language
- German
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522 Der geschichtliche Hintergrund diesem Psalm paßt auf Onias IV. Die Berufung auf Jesaja für die Neuerung, ein Heiligthum in Aegypten für den Gott des Judenthums zu erbauen, kamt echt sein, wie denn iiberhaupt das ganze Bittgesuch an das Köuigspaar, welches Josephus in extenso mittheilt, auch für das kritische Auge nichts enthält, was es verdächtig machen könnte. Und darin erkeiuieu wir eben den skrupulösen Schriftkuudigen wieder, der die Neuerung nur im Hinblick auf einen biblischeir Beleg, auf eine Prophetenstelle unternehmen mochte. Ja, wir verstehen dadurch erst recht einen Vers in unsereur Psalnr, der sonst nichtssagend ist, V. 46 ״ich will sprechen »01t Seinen Zeugnissen in Gegenwart der Könige, und mich nicht schämen", וארברה בערתיך עד מלכים ולא אבוש• Er will vor den Königen, vor Ptolemaios und der Königin Kleopatra (welche schlechtweg die Könige — 01 ßaffdelg genannt wurden), sprechen, daß das Gesetz des Indenthums, welches in Judäa aufgelöst wurde, erhalten iverden müsse und sie dafür interessiren. Wir verstehen auch den bereits accentnirten Vers, daß der Psalmist als seine Aufgabe betrachtete, etwas für das Judenthum zu thun, da das Gesetz anderweitig ausgelöst wird : עת לעשות לה׳ הפרו תודתך. Recht gut kann der Gedanke darin liegen, es sei Zeit, einen Tenrpel auf fremdem Boden zu errichten und die Gesetzestreuen in demselben zu sammeln, da das Judenthum im heiligen Lande, in Jerusalem, selbst im Tempel entweiht ist. Der Vers klingt wie eine Selbstermuthigung. Und in der That, wenn Judäa und das jüdische Volk in der Heimath vollständig hellenisirt werden sollen, wenn im Tempel zu Jerusalem der Zeus angebetet und ihnr geopfert wird, wenn alle Satzungen des Judenthums daselbst außer Brauch kommen sollen, so konnte in einenr Gesetzestreuen der Gedanke der Pflicht ausfteigen, es sei Zeit und Nothwendigkeit, eine anderweitige Stätte für das Judenthum zu gründen. Was Josephus nach der Anschauung seiner Zeit — in welcher die Priester des Oniastempels bereits als halbe Schismatiker angesehen