Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der geschichtliche Hintergrund des hundert und neunzehnten Psalmes
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 514 (sequence 2)
- Language
- German
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514 Der geschichtliche Hintergrund rend seiner Gefangenschaft durch Tryphon geschrieben habe. Der Hasmonäer Jonathan war ein Mann des Schwertes und des Krieges und kein Schriftgelehrter, kein Mann des Buches und hat schwerlich seine ganze Seligkeit in der Beschäftigung mit dem Gesetze gefunden, wie sich der Dichter dieses Psalmes rühmt. Andererseits ist nicht zu verkennen, daß der Psalm lediglich individuell und persönlich gehalten ist, d. h. daß er das eingeengte eigene Leben des Dichters überall reflektirt und kaum Beziehungen aus die Gesammthrit erkennen läßt. Nicht richtig ist daher Olshausens Annahme, daß ״das Ganze als ein Gebet Israels" erscheine. Dieser Ausleger muß selbst zugeben, daß der individuelle Charakter dieses Psalmes hervorsticht: ״Obgleich nämlich das Ganze für Israel überhaupt berechnet war, übten doch begreiflicher Weise die persönlichen Verhältnisse des Vers, und die seiner nächsten Umgebung auf die Darstellung iin Einzelnen ihren Einfluß." Es ist durchaus endlich nicht zu verkennen, daß der Grundton des Psalmes Klagen und Meditationen sind. Der Dichter klagt in verschiedenen Wendungen über Verkennung und Verfolgung von Seiten seiner Feinde. Diese Feinde schildert er zugleich als Verächter des Gesetzes und hebt ihnen gegenüber seine Gesetzestreue, seine Freudigkeit und Seligkeit im Gesetze hervor. Wer war nun der Dichter dieses Psalmes, in welcher Zeit lebte er, und über welche Leiden hatte er sich so bitter zu beklagen? Gehen wir vom Gewissen aus. Daß dieser Psaliu einer sehr späten Zeit angehört, ist gar nicht zu verkennen. Ton und Sprache geben es deutlich genug an die Hand. *) Daß er die *) Was die Sprache betrifft, so fällt zunächst das Verbum ll's? auf (V. 28, 106), ferner שבר hoffen und שבר Hoffnung, ein entschieden aramäischer Stamm. Jes. 38, 18 ולא ישברו יורדי בור steht bekanntlich transponirt für