Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der geschichtliche Hintergrund des hundert und neunzehnten Psalmes
- Date
- 1871-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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MhLiÄmgeii, Der geschichtliche Hintergrund des Kundert und neunzehnten Mal'mes. Der 119. Psalm sticht bekanntlich so sehr gegen die übrigen Psalmen ab, daß er gewissermaßen ein eigenes Genre bildet. Er klingt nicht wie ans dem Ringen und Kampfe des frischen Lebens, sondern wie aus dem engen Gesichtskreis der Klosterzelle oder Bet-Hamidrasch-Klanse heraus. Er hat nur noch mit dem ersten Psalm, allenfalls auch mit dem letzten Theil des 19. und den Psalmen 111 und 112 einige Verwandtschaft. Man könnte diese Psalmen sopherische nennen, in sofern sie das beschauliche Leben des Schriftgelehrten reflektiren, wie der Spruchdichter Sirach es schildert (38, 24; 39, 12), ״die Weisheit des Sopher (y£a/.(,uam)c) ist in der Behaglichkeit der Muße und wer sich wenig mit Werkthätigkeit befaßt, wird weise ... er rühmt sich im Gesetze des Bundes" (ev v6{1(p ätaöfjxy: avra xaux^ffsmi). Das Gesetz, die Thora, und die Beschäftigung damit, bilden den Grnndton dieses Psalmes. Der Psalmist rühmt sich, daß er das Gesetz begreifen, sich in dasselbe vertiefen kann (V. 7, 18, 54, 97, 125, 135 und andere). Um Mitternacht steht er auf, nur Gott für seine gerechten Satzungen zu danken (V. 62). Der sopherische Charakter des Psalmes schließt von vorne herein die Armahme Hitzig» aus, daß der Hohepriester Jonathan ihn wäh- Frankel, MonatSschrlst. XX. 12. 34